16. Mai 2023 / Aus aller Welt

80 Prozent weniger Plastikverschmutzung bis 2040 möglich

Das UN-Umweltprogramm will die globale Plastikverschmutzung eindämmen. Bis 2040 ließe sich solcher Müll in der Umwelt um 80 Prozent verringern, so ein Bericht. Doch dafür müsste sich vieles ändern.

Sortierte Verpackungsabfälle: Schon jetzt stehen einer Studie zufolge alle Ressourcen bereit, um die weltweite Plastikverschmutzung bis 2040 um 80 Prozent zu verringern.
Veröffentlicht am 16. Mai 2023 um 14:53 Uhr

Bis zum Jahr 2040 ließe sich die weltweite Plastikverschmutzung einer Studie zufolge um 80 Prozent verringern. Dafür stünden schon jetzt alle Ressourcen bereit, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP), der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Voraussetzung dafür seien allerdings tiefgreifende politische und marktwirtschaftliche Veränderungen hin zu einer Kreislaufwirtschaft. «Plastik kann der Menschheit weiterhin enorme Vorteile bringen, aber nur, wenn wir die Systeme, mit denen es in der Wirtschaft im Umlauf gehalten wird, überdenken», sagte UNEP-Exekutivdirektorin Inger Andersen bei der Vorstellung des Berichts.

Allein durch die verstärkte Wiederverwendung von Plastik könnten demnach bis 2040 rund 30 Prozent Plastikmüll vermieden werden. Dabei verweist der Bericht unter anderem auf die Einführung von Pfandsystemen. Zudem könnten laut UNEP auch einfachere Lösungen wie die Verwendung von wiederbefüllbaren Flaschen für Seifen oder Putzmittel die Menge an Plastikmüll verringern.

Umstellung auf Kreislaufwirtschaft würde sich lohnen

Weitere 20 Prozent Plastikabfälle ließen sich durch mehr Recycling einsparen - vorausgesetzt, eine solche Müllverwertung werde in den kommenden Jahren profitabler. Verbindliche Richtlinien, die besonders schwer recycelbare Plastikverpackungen verhindern, wären dafür ein entscheidender Schritt, heißt es. Weiteres Potenzial sieht UNEP in Papier und anderen kompostierbaren Materialien als Ersatz für Plastikverpackungen. Dies könnte die Plastikverschmutzung um weitere 17 Prozent drücken. Weitere 13 Prozent könnten zwar nicht wiederverwertet oder ersetzt werden. Doch eine sichere Deponierung könnte eine weitere Verschmutzung der Umwelt verhindern.

Wirtschaftlich würde sich der Umstieg auf eine Kreislaufwirtschaft laut UNEP lohnen. Dem Bericht zufolge könnten so bis 2040 weltweit 1,27 Billionen US-Dollar (1,17 Billionen Euro) bei der Plastikproduktion eingespart und zusätzliche Einnahmen durch das Recycling gewonnen werden. Gleichzeitig könnte die Einführung einer Kreislaufwirtschaft in den kommenden Jahren global 700.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

2,99 Billionen Euro Kosten könnten vermieden werden

Zudem würden in dem Zeitraum weitere 3,25 Billionen Dollar (2,99 Billionen Euro) an Kosten durch Umweltverschmutzung vermieden. Denn mit zunehmendem Plastikmüll steigt dem Bericht zufolge auch die Belastung für die Gesundheitssysteme. Ein Viertel der für die Plastikproduktion verwendeten Chemikalien seien gesundheitsgefährdend für den Menschen, heißt es.

Auch die jährlichen Kosten zur Instandhaltung der maritimen Ökosysteme sind dem Bericht zufolge enorm. UNEP schätzt diese auf bis zu 144 Milliarden US-Dollar (132 Mrd. Euro). Dazu zählt UNEP unter anderem künftig entgangene Einnahmen aus dem Küstentourismus sowie steigende Kosten für die weltweite Fischerei durch beschädigte Fangausrüstung und Schiffe. Für die Beseitigung von Plastik aus den Ozeanen fallen demnach bis zu 1,4 Milliarden Dollar (1,3 Mrd. Euro) jährlich an. Und nicht zu vergessen: Die Plastikproduktion trägt kräftig zum Ausstoß von Treibhausgasen bei und verstärkt so den Klimawandel.

Der Bericht erscheint zwei Wochen vor Beginn mehrtägiger Beratungen des zwischenstaatlichen UNEP-Verhandlungsausschusses (INC), der ein rechtsverbindliches Instrument zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung erarbeiten soll. Die Vereinten Nationen haben sich bereits im vergangenen Jahr dazu verpflichtet, ein globales Abkommen zur Müllvermeidung voranzutreiben.


Bildnachweis: © Rolf Vennenbernd/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

SOS aus Eisbrocken: Deutsche Camper von der Ostsee gerettet
Aus aller Welt

Zwei Deutsche übernachten im Bottnischen Meerbusen auf der zugefrorenen Ostsee. Plötzlich bricht das Eis unter ihrem Zelt weg. Die Rettung kommt erst nach Stunden.

weiterlesen...
TÜV NORD gibt Tipps für entspannte Osterreisen ohne Stress
Aktuell

Reifendruck prüfen und günstigere Tankstellen abseits der Autobahn nutzen

weiterlesen...
KI in der Personalarbeit: Netzwerk tauscht sich im Kreis Gütersloh aus
Aktuell

Von virtuellen Avataren bis Recruiting: Beim Treffen stehen konkrete Praxisbeispiele im Fokus

weiterlesen...

Neueste Artikel

Harry und Meghan teilen Umarmungen in Kinderklinik aus
Aus aller Welt

Die beiden abtrünnigen Royals waren zuletzt 2018 im Namen der Krone in Australien. Nun reisen sie auf eigene Faust. Doch der royale Zauber verfängt trotzdem.

weiterlesen...
Tag der Archive in Gütersloh am 9. Mai
Kreis Gütersloh

Stadt- und Kreisarchiv laden zum gemeinsamen Tag der offenen Tür mit Bücherflohmarkt und Führungen hinter die...

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Harry und Meghan teilen Umarmungen in Kinderklinik aus
Aus aller Welt

Die beiden abtrünnigen Royals waren zuletzt 2018 im Namen der Krone in Australien. Nun reisen sie auf eigene Faust. Doch der royale Zauber verfängt trotzdem.

weiterlesen...
Justiz in Potsdam übernimmt Verfahren nach Fernandes-Anzeige
Aus aller Welt

Collien Fernandes erhebt Vorwürfe gegen ihren Ex-Partner, bei denen es um sexualisierte Gewalt geht. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden nun an ihrem früheren Wohnort weitergeführt.

weiterlesen...