27. September 2023 / Aus aller Welt

Adrenalin und Abenteuer: Die Nachtkletterer von Cambridge

Gemeinsam mit Oxford gilt Cambridge als beste Universität in Großbritannien. Doch das bedeutet nicht, dass die Studentinnen und Studenten keine Flausen im Kopf haben.

Der «Senat House Leap» in Cambridge - eine beliebte Route für Nachtkletterer.
Veröffentlicht am 27. September 2023 um 08:30 Uhr

Es ist eine wagemutige Tradition, zudem nicht erlaubt, aber: Seit vielen Jahrzehnten klettern Studierende der Universität in Cambridge nachts auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Erklommen werden die Jahrhunderte alten Gebäude an Regenrohren, Hausvorsprüngen und steinernen Figuren. «Du genießt das Gefühl von Risiko, das Adrenalin, und wenn du es nach oben geschafft hast, die Erleichterung», sagte Rebecca Wetten (30), die in Cambridge Geschichte studiert hat.

Die riskante Tradition sorgt immer wieder für ungewöhnliche Bilder und Einträge in sozialen Medien am nächsten Morgen: Klositze, Weihnachtsmützen und sogar ein Auto ließen Kletterer bereits auf den Türmen und Dächern der englischen Eliteuniversität zurück.

Wegen der Gefahr, entdeckt zu werden, wird fast ausschließlich im Dunkeln der Nacht geklettert, wie ein ehemaliges Mitglied des britischen Parlaments berichtet: «Wir kamen nach Hause, schliefen ein paar Stunden und lernten wieder für die Uni.» Der heute 78-jährige Politiker möchte aus Angst vor legalen Folgen nicht namentlich genannt werden.

Buch dient als Vorbild

Inspiration für viele jüngere Generationen an Nachtkletterern ist ein erstmals 1937 unter einem Pseudonym erschienenes Buch. Es beschreibt Kletterrouten auf die verschiedenen Gebäude der Stadt Cambridge.

Auch Tom Whipple (41), heute Redakteur bei einer überregionalen Tageszeitung, trieben die in dem Buch beschriebenen Abenteuer an: «Da war ein Gefühl von historischer Kontinuität zu Studierenden, die dann Richter und Politiker wurden oder sogar Kletterpioniere.»

Diese Kontinuität besteht bis heute, so brachte der ehemalige Politiker 1965 zusammen mit Freunden ein großes Banner an den Türmen eines zentral gelegenen Gebäudes an, um gegen den Vietnam-Krieg zu demonstrieren. Auch 2022 befestigten Nachtkletterer erneut eine politisch motivierte Nachricht an den Türmen des Kings College - dieses Mal ging es um den Krieg in der Ukraine, wie auf Twitter zu sehen war.

Gibt es Konsequenzen?

Das Klettern ist offiziell nicht erlaubt, und die Polizei berichtet auf Nachfrage, dass es gelegentlich zu Zwischenfällen mit Nachtkletterern komme. Wenn es sich dabei um Studierende der Universität handle, sei es allerdings kein Hausfriedensbruch, und der Vorfall werde intern geregelt.

Auch Whipple wurde einmal festgenommen, nachdem er auf das Rathaus geklettert war. Ernsthafte Folgen hatte das für ihn nach eigenen Angaben allerdings nicht.


Bildnachweis: © Lena Völk/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Erneute Auszeichnung für drei starke Innungsbetriebe
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Drei Betriebe aus dem Bereich des Lebensmittelhandwerks dürfen sich erneut über eine besondere Anerkennung freuen: Die...

weiterlesen...
Save the Date: Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Neues Format erfolgreich gestartet: Erster Mittagsimpuls Ausbildung mit Praxiswissen zur Weiterbildung
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Auftakt für eine neue Online-Reihe der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld: Beim ersten „Mittagsimpuls...

weiterlesen...

Neueste Artikel

«Ich hatte keine Freunde» - Mediensucht bei Jugendlichen
Aus aller Welt

Jeden Tag verbrachte Jonas viele Stunden am Computer. Erst eine Therapie half ihm, davon loszukommen. Was sagt er heute dazu?

weiterlesen...
Deutsche Passagiere müssen lange Quarantäne durchstehen
Aus aller Welt

Gut einen Monat nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hält sich die Zahl nachweislich Infizierter weiter in engen Grenzen. Wie sicher sind die heimgekehrten deutschen Passagiere?

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

«Ich hatte keine Freunde» - Mediensucht bei Jugendlichen
Aus aller Welt

Jeden Tag verbrachte Jonas viele Stunden am Computer. Erst eine Therapie half ihm, davon loszukommen. Was sagt er heute dazu?

weiterlesen...
Deutsche Passagiere müssen lange Quarantäne durchstehen
Aus aller Welt

Gut einen Monat nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hält sich die Zahl nachweislich Infizierter weiter in engen Grenzen. Wie sicher sind die heimgekehrten deutschen Passagiere?

weiterlesen...