11. April 2025 / Aus aller Welt

Aggressive Ameise breitet sich in Deutschland aus

Gebäude und technische Infrastruktur werden Wissenschaftlern zufolge von einer eingeschleppten Ameisenart bedroht. Inzwischen ist auch der Norden von der Tapinoma magnum betroffen.

Die Ameisenart gilt als bissig und aggressiv. (Archivbild)
Veröffentlicht am 11. April 2025 um 15:07 Uhr

Sie unterhöhlen Gehwege, dringen in Häuser ein und legen das Internet lahm: Ameisen der Art Tapinoma magnum breiten sich in Deutschland aus. Die Krabbler kämen nicht nur im Süden, sondern inzwischen auch in Köln und Hannover vor, sagte der Ameisenfachmann Manfred Verhaagh vom Karlsruher Naturkundemuseum bei einer Konferenz im badischen Offenburg. 

«Superkolonien haben Hunderttausende bis Millionen von Tieren», warnte Verhaagh. «Wir werden sie nicht mehr ausrotten können.»  

Die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameise bedrohe in Baden-Württemberg und anderen Regionen Deutschlands Gebäude und technische Infrastruktur, berichteten Wissenschaftler. In der badischen Grenzstadt Kehl gab es bereits Strom- und Internetausfälle. 

Fachleute aus dem Südwesten und Behörden arbeiten nun erstmals in einem Projekt zusammen, um die Ausbreitung der als aggressiv und bissig geltenden Insekten einzudämmen. Einige Kommunen setzen Heißwassergeräte ein. Laut Verhaagh kommen die Insekten vor allem in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und im ostfranzösischen Elsass vor. 

Staatssekretär nennt Tapinoma einen Schädling

Behördenvertreter machten deutlich, dass Tapinoma magnum, die auf Deutsch Große Drüsenameise genannt wird, bisher offiziell nicht als invasiv gelistet wird. Das Bundesamt für Naturschutz sehe derzeit Ökosysteme nicht als gefährdet an, sagte der Landrat des Ortenaukreises, Thorsten Erny. Der baden-württembergische Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) sagte, die Ameise Tapinoma magnum sei für ihn «ein Schädling» - auch wenn sie rechtlich nicht so bezeichnet werde. Die Art gebe es im Südwesten seit 2016. 

«Es gibt keine Wunderwaffe gegen Tapinoma», sagte der wissenschaftliche Direktor des Stuttgarter Naturkundemuseums, Lars Krogmann. Experten der Einrichtung sind bei dem Projekt eingebunden. Verhaagh zufolge wurde die Ameisenart bereits 2009 in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. «Wir vermuten, dass sie mit Pflanzentransporten aus dem Mittelmeerraum gekommen ist», sagte der Wissenschaftler. 

Bürger sollen Funde über Portal melden

Der Kampf gilt als schwierig, weil die schwarze Tapinoma magnum auf den ersten Blick aussieht wie eine heimische Ameise. Die Insekten können Fachleuten zufolge zwar keine Krankheiten übertragen. Es ist aber demnach nicht ausgeschlossen, dass sie bei Menschen zu kurzfristigen Allergien führen. Betroffene Anwohnerinnen und Anwohner berichten zudem von psychischen Belastungen, die von der Ameisenplage ausgelöst werden. Bürger in Baden-Württemberg werden bei dem wissenschaftlichen Projekt gebeten, Funde im Internet über das Naturportal Südwest zu melden. 

Tiere riechen nach ranziger Butter 

Vorkommen von Tapinoma-Ameisen sind Fachleuten zufolge etwa über zahlreiche Sandhügel an Bordsteinen und Gehwegen zu erkennen. Zudem treten die Insekten massenhaft auf. «Das wuselt überall», resümierte Gregor Koschate von der Stadt Kehl. Die Tiere riechen beim Zerdrücken nach ranziger Butter, wie Verhaagh berichtet.


Bildnachweis: © Uli Deck/dpa
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