29. Juli 2021 / Aus aller Welt

Nach Explosion in Leverkusen drei weitere Tote gefunden

Nur langsam ist es Einsatzkräften möglich, den Ort der gewaltigen Detonation in Leverkusen zu untersuchen. In den Ruinen finden sie weitere Tote - und womöglich werden es noch mehr.

Einsatzkräfte der Feuerwehr sind mit Löscharbeiten im Chempark beschäftigt.
Veröffentlicht am 29. Juli 2021 um 17:24 Uhr

Traurige Gewissheit nach bangen Stunden: Zwei Tage nach der verheerenden Explosion in einer Leverkusener Müllverbrennungsanlage haben Einsatzkräfte drei weitere Menschen tot in den Trümmern gefunden. Das teilten die Kölner Staatsanwaltschaft und die Polizei mit.

Die Zahl der nunmehr bestätigten Todesopfer erhöhte sich damit auf fünf. Zwei weitere Menschen werden weiterhin vermisst - die Hoffnung, sie noch lebend zu finden, ist allerdings verschwindend gering.

Die Ermittlungsbehörden hatten den Detonationsort im Chempark - einem Gelände mit Chemie-Unternehmen - zuvor genauer begutachten können. Zusammen mit einem Sachverständigen der Staatsanwaltschaft finde eine «erste Begehung der Unfallstelle» statt, erklärte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft am Vormittag - zumindest soweit diese nicht kontaminiert beziehungsweise einsturzgefährdet sei.

Unglücksursache weiterhin unklar

Die Kölner Polizei sprach von einer «Puzzlearbeit» auf dem verwüsteten Gelände. Es sei unwahrscheinlich, dass die Unglücksursache sofort herausgefunden werden könne. Auch Drohnen sollten zum Einsatz kommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion gegen unbekannt. Sie will herausfinden, ob menschliche Fehler zu der Katastrophe führten.

Kurz nach der Detonation am Dienstagmorgen, die noch viele Kilometer weit entfernt zu spüren war, hatten Rettungskräfte bereits einen Menschen tot am Unglücksort aufgefunden. Wenig später starb einer der Schwerverletzten im Krankenhaus. Die Ermittler trafen Vorkehrungen für eine mögliche Identifizierung von Leichen. Sie beabsichtigten, «von Angehörigen der Vermissten vorsorglich DNA-Proben zu entnehmen», erklärte ein Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft.

Analyse der freigesetzten Stoffe - Noch kein Ergebnis

Rund um die Unglücksstelle warten Anwohner weiterhin bangend auf die Ergebnisse einer Analyse der bei dem Brand freigesetzten Stoffe. Nach Angaben des Chempark-Betreibers Currenta hatten nach der Explosion Tanks gebrannt, in denen «organische Lösungsmittel» gelagert worden seien. Auf Leverkusen gingen viele kleine Rußpartikel nieder.

Die Stadt riet ihren Bürgern, kein Obst oder Gemüse aus dem Garten zu essen, wenn sich entsprechender Staub darauf angesammelt habe. Das nordrhein-westfälische Landesumweltamt (LANUV) stellte ein Ergebnis seiner Untersuchungen für Ende der Woche in Aussicht.

In einer ersten Einschätzung war das Amt davon ausgegangen, dass es sich um «Dioxin-, PCB- und Furanverbindungen» gehandelt haben könnte. Grundsätzlich sei es so, dass Dioxine bei jedem Brandereignis in mehr oder weniger hohen Konzentrationen entstünden. Wie hoch die vorhandenen Rückstände mit diesen Substanzen belastet sind, werde sich erst nach der aufwendigen Auswertung zeigen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, zu dessen Wahlkreis Leverkusen gehört, forderte «schnellstens Aufklärung», wie viel Dioxin oder PCB freigesetzt worden sei. «Insbesondere Kinderspielzeug im Garten, Fahrräder und andere Dinge müssen gründlich abgewaschen werden», appellierte er in der «Rheinischen Post».


Bildnachweis: © Chempark/Currenta GmbH
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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