23. November 2021 / Aus aller Welt

«Riesige Tragödie»: 46 Tote bei Busunglück in Bulgarien

Bei einem Brand im Reisebus sterben Dutzende Nordmazedonier auf dem Rückweg von einem Trip nach Istanbul. Sieben Menschen können den Flammen entfliehen. Am Unglücksort bleibt nur das Wrack des Fahrzeugs.

Rettungskräfte der Feuerwehr an der Unfallstelle neben dem ausgebrannten Bus. Bei dem Unglück im Westen Bulgariens starben mindestens 46 Menschen.
Veröffentlicht am 23. November 2021 um 13:22 Uhr

Ein ganzer Bus brennt, über dem Wrack schwebt eine dunkle Rauchwolke: Die schrecklichen Bilder von der Unfallstelle auf der Struma-Autobahn in Bulgarien dokumentieren das schwerste Busunglück der jüngeren Geschichte des Balkanlandes.

46 Staatsbürger Nordmazedoniens, unter ihnen 12 Kinder, starben in der Nacht zum Dienstag im Feuerinferno ihres Reisebusses. Sie waren auf dem Rückweg von einem Trip nach Istanbul.

Sieben Passagiere konnten sich befreien

Ein noch schlimmeres Bild erwartet die Ermittler im Businneren: «So etwas Schreckliches habe ich noch nie gesehen, das ist kaum zu ertragen. Die verbrannten Leichen liegen hier übereinander auf einem Haufen», beschreibt Interims-Innenminister Boiko Raschkow. Als früherer Chef der Ermittlungsbehörde hat er in der Tat vieles gesehen und erlebt.

Sieben Menschen schafften es, sich aus dem brennenden Wrack zu befreien. Sie wurden mit Verbrennungen, vor allem an ihren Händen, aber außer Lebensgefahr in die Notfallklinik Pirogow in der Hauptstadt Sofia, etwa 40 Kilometer nördlich der Unfallstelle, gebracht. Der nordmazedonische Regierungschef Zoran Zaev und der Außenminister des an Bulgarien grenzenden Balkanlandes, Bujar Osmani, reisten wenige Stunden nach dem Unglück nach Sofia, um die Verletzten zu besuchen. «46 Passagiere sind ums Leben gekommen, 12 davon sind Kinder», sagte Zaev. Die Menschen auf den hinteren Sitzen hätten eine Fensterscheibe eingeschlagen, um sich zu retten, erläuterte er vor dem Eingang der Notfallklinik. Viele Todesopfer gehörten einer Familie an.

Das Unglück bringt die Regierungschefs zusammen

Mit Blick auf die bereits laufenden Ermittlungen sagte Zaev, die am Leben gebliebenen Opfer erinnerten sich an den Vorfall. «Ich überlasse es den bulgarischen Experten, die Unfallursache zu ermitteln», sagte er. Um Details zu erfahren, sprach Zaev dann mit seinem bulgarischen Amtskollegen Stefan Janew. «Wir sind zusammen im Guten und im Schlechten. Wir sind brüderliche Völker», bekräftigte Zaev.

Das Unglück brachte ganz unerwartet die Regierungschefs beider Nachbarländer zusammen vor dem Hintergrund belasteter bilateraler Beziehungen. Seit etwa einem Jahr blockiert Bulgarien den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien. Diese Tragödie werde eine positive Auswirkung auf die Beziehungen beider Staaten haben, «weil wir uns helfen und die Institutionen zusammenarbeiten». Beide Staaten wollten nationale Trauertage ausrufen.

Am Tag des Unglücks gab es mehr Fragen als Antworten: Es war zunächst unklar, ob der Bus bereits vor dem Unfall Feuer gefangen hatte oder sich zunächst überschlug und dann in Flammen aufging. Aus noch ungeklärten Gründen hatte er eine Leitplanke gerammt und sich dann überschlagen. Der Streckenabschnitt, in dem das Unglück geschah, liegt in einer hügeligen Gegend und ist für häufige Unfälle bekannt, wie der Bürgermeister der nahe gelegenen Kleinstadt Pernik im Staatsradio sagte. Die Black Box vom Bus sei nach Informationen der Verkehrsbehörde verbrannt oder schwer beschädigt.

Die Bustragödie erschütterte die Menschen nicht nur in Bulgarien und Nordmazedonien. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Präsident des EU-Rats, Charles Michel, sprachen auf Twitter ihr Beileid aus. Die EU sei bereit, Hilfe zu leisten, bekräftigte Michel.


Bildnachweis: © Minko Chernev/BTA Agency Bulgaria/AP/dpa
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