10. Februar 2022 / Aus aller Welt

Bericht: US-Polizisten erschossen 2021 über 1000 Menschen

Eine offizielle Statistik gibt es zwar nicht - die «Washington Post» erfasst in einer eigenen Datenbank aber die Zahl der von Polizisten erschossenen Menschen in den USA. 2021 waren es mehr als 1000.

Eine Demonstrantin steht bei einem Protest gegen Polizeigewalt in Oakland mit hochgestreckten Armen vor Polizisten.
Veröffentlicht am 10. Februar 2022 um 07:30 Uhr

Einer Datenbank der «Washington Post» zufolge haben Polizisten in den USA vergangenes Jahr mindestens 1055 Menschen erschossen. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2015, berichtete die Zeitung.

Im Jahr 2020 seien landesweit mindestens 1021 Menschen von Polizisten erschossen worden, im Vorjahr 999. Die Zahl der Todesfälle blieb damit trotz jüngster Bemühungen um Polizeireformen relativ konstant.

In den Vereinigten Staaten leben rund 330 Millionen Menschen und damit fast viermal so viele wie in Deutschland. Außerdem gelten dort Waffengesetze, die im Vergleich zumeist sehr lax gefasst sind. In Deutschland gibt es vergleichbare Daten zum tödlichen Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte etwa bei der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Demnach wurden zum Beispiel 2019 insgesamt 15 Menschen von Polizisten erschossen.

Immer wieder Proteste gegen Polizeigewalt

In den USA seien rund 85 Prozent der 2021 von Polizisten erschossenen Personen bewaffnet gewesen, berichtete die Zeitung. Die allermeisten Opfer (94 Prozent) waren demnach Männer. Die Datenbank der «Washington Post» zu den tödlichen Schüssen der US-Polizei gilt als verlässliche Quelle. Die von der Bundespolizei FBI erhobenen Daten dazu gelten als weniger zuverlässig, weil viele Polizeistellen Fälle gar nicht oder nur unvollständig nach Washington melden.

In den USA hatte die Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Mai 2020 zu massiven Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt. Floyd wurde zwar nicht erschossen, und taucht deshalb nicht in der Statistik der «Washington Post » auf. Doch viele Städte und Bundesstaaten leiteten infolge der beispiellosen Proteste Polizeireformen in die Wege. Auf Bundesebene scheiterten die Demokraten von US-Präsident Joe Biden mit ihren geplanten Reformen an einer Blockade der Republikaner im Senat.


Bildnachweis: © Ethan Swope/AP/dpa
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