25. Oktober 2025 / Aus aller Welt

Berichte über kommenden «Jahrhundertwinter» – was ist dran?

Kälte, Schnee und Spekulationen: Was steckt hinter Berichten über einen nahenden extremen Winter? Experten warnen vor voreiligen Schlüssen.

Einige Prognosen warnen vor einem Jahrhundertwinter - doch lässt sich so etwas überhaupt vorhersagen? (Symbolbild)
Veröffentlicht am 25. Oktober 2025 um 07:00 Uhr

Steht uns ein sogenannter «Jahrhundertwinter» mit viel Schnee und Kälte bevor? Derzeit kursieren Meldungen, die darüber spekulieren. Dabei kommt etwa eine mögliche Abschwächung des Polarwirbels und eine beginnende Phase des kühlenden Klimaphänomens La Niña zur Sprache. Doch bei so frühen Prognosen ist Vorsicht geboten.

Sind solche Vorhersagen weit im Voraus aussagekräftig?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bremst: Eine Winterprognose sei aktuell noch «sehr unsicher». Zwar erstellen meteorologische Dienste wie der DWD hierzulande sogenannte Jahreszeitenvorhersagen, diese liefern jedoch keine konkreten Wetterdaten für einzelne Tage oder Wochen.

Stattdessen beruhen sie auf Wahrscheinlichkeiten für klimatische Tendenzen über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Es handelt sich dabei also nicht um klassische Wetterprognosen, sondern um langfristige Vorhersagen, die auf komplexen Klimamodellen basieren.

Saisonale Vorhersagen beschreiben klimatische Tendenzen über drei Monate hinweg und unterscheiden sich deutlich von der täglichen Wettervorhersage. Zwar lassen sich daraus Hinweise auf mögliche Entwicklungen ableiten, doch die Aussagekraft bleibt begrenzt.

Was lässt sich schon über diesen Winter sagen?

«Insgesamt gibt es zwischen den verschiedenen Modellen der Weltorganisation für Meteorologie große Unterschiede bei der Vorhersage des Polarwirbels, der Bodenluftdruckfelder und der Nordatlantischen Oszillation», antwortet der DWD auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Viele Modelle sagen für den Winter 2025/2026 einen schwachen Polarwirbel in der Stratosphäre vorher.»

Ein schwacher Polarwirbel könne zeitlich und räumlich versetzt eine großräumige Veränderung troposphärischer Zirkulationsmuster nach sich ziehen. Damit könnten arktische Luftmassen in den Süden vordringen und das Winterwetter bestimmen. «Ob solche Kaltlufteinbrüche über Europa ausbrechen, kann lediglich ein paar Wochen im Voraus vorhersagt werden», betont der DWD. «Von einem "Jahrhundertwinter" kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht gesprochen werden.»

Die DWD-Prognose lautet stattdessen: «Die aktuelle Temperaturvorhersage zeigt für Deutschland eine starke Tendenz (86 %) für einen normalen bis wärmeren Winter (Dezember bis Februar) im Vergleich zum Durchschnitt der Winter im Zeitraum 1991 bis 2020.» Der DWD betont aber: «Die Vorhersagequalität der saisonalen Klimavorhersage ist schlecht.»

Sind langfristige Prognosen nicht besser geworden?

Lara Wallberg vom Max-Planck-Institut für Meteorologie fällt eine positivere Bewertung: «Saisonale Vorhersagen für den europäischen Winter bleiben eine anspruchsvolle Aufgabe, sind aber im Vergleich zu anderen Jahreszeiten relativ am zuverlässigsten und haben sich besonders in den letzten Jahren merklich verbessert.» Großräumige Tendenzen – etwa ein eher milder oder kälter verlaufender Winter – ließen sich zunehmend konsistenter abbilden.

Doch auch Wallberg unterstreicht: «Dennoch bleiben Unsicherheiten aufgrund der komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozean und Stratosphäre bestehen, auch wenn verbesserte Modelle heute realistischere Wahrscheinlichkeitsabschätzungen als früher liefern.»

Insgesamt seien saisonale Temperaturprognosen für den europäischen Winter mäßig zuverlässig, während Niederschlagsvorhersagen oft nur geringe Aussagekraft hätten. «Dennoch sind saisonale Wintervorhersagen wertvoll, weil sie wahrscheinliche Trends aufzeigen, die für Energieplanung, Landwirtschaft oder Straßen- und Katastrophenmanagement genutzt werden können.»


Bildnachweis: © Armin Durgut/AP/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

JP Kraemer: Unternehmen öffnen wieder
Aus aller Welt

Trotz der Ermittlungen gegen Jean Pierre Kraemer öffnen seine Unternehmen wieder. Die Entscheidung fiel nach intensiven Gesprächen zwischen Mitarbeitern, Management und Kraemer.

weiterlesen...
Stein und Staub: Großer Felssturz an der Zugspitze
Aus aller Welt

Eine riesige Staubwolke, bröckelnde Felsen und trotzdem keine Gefahr für Wege oder Gebäude – was steckt hinter dem ungewöhnlichen Felssturz an der Zugspitze?

weiterlesen...
Die «Hells Angels» und die Spur des schmutzigen Geldes
Aus aller Welt

Polizisten und Steuerfahnder gehen mit einer Großaktion gegen Rocker der «Hells Angels» und ein Geldwäsche-System vor. Die Ermittler wollen 48,6 Millionen Euro Vermögen beschlagnahmen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
Aus aller Welt

Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.

weiterlesen...
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
Aus aller Welt

Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Schulmassaker in Kanada: Angreiferin hatte wohl Unterstützer
Aus aller Welt

Im Februar erschießt eine 18-Jährige acht Menschen in Kanada, sechs von ihnen in einer Schule. Nun enthüllen Ermittler: dem Attentat ging ein langer Austausch voraus.

weiterlesen...
Erste reguläre Behandlung mit Genschere in Deutschland
Aus aller Welt

Für die Entwicklung der Crispr-Methode gab es 2020 den Nobelpreis. Nun hat ein Patient bundesweit erstmals nach der Zulassung der Genscheren-Therapie ein entsprechendes Mittel erhalten.

weiterlesen...