27. Dezember 2021 / Aus aller Welt

«Die Welt geht unter»: Schwere Überschwemmungen in Brasilien

Derartige Überflutungen gab es in Bahia seit Jahrzehnten nicht mehr: Weite Teile des brasilianischen Bundesstaates stehen unter Wasser. Der Gouverneur verspricht, die Schäden zu beheben.

Ein Mann trägt seinen Hund über die Fluten in Itapetinga.
Veröffentlicht am 27. Dezember 2021 um 23:23 Uhr

Anhaltende heftige Regenfälle haben im Nordosten Brasiliens Medienberichten zufolge die schwersten Überschwemmungen seit mehr als 30 Jahren ausgelöst.

Im Bundesstaat Bahia kamen mindestens 20 Menschen ums Leben, mehr als 30.000 wurden obdachlos, wie es am Montag unter Berufung aus den Zivilschutz hieß. Insgesamt seien mehr als 470.000 Einwohner von den Unwettern betroffen. «An eine so große Tragödie kann ich mich in der jüngeren Geschichte Bahias nicht erinnern», schrieb Gouverneur Rui Costa auf Twitter.

«Hier im Süden Bahias geht die Welt unter, und niemand sieht uns», klagte die 24-jährige Lorena Vicente in der Zeitung «O Globo» über die Situation in dem Bundesstaat, der mit seiner Hauptstadt Salvador jedes Jahr auch viele Touristen anzieht. Ihre Eltern hätten in den Fluten alles verloren, ergänzte die junge Frau. «Wir werden sehr hart arbeiten, um die Schäden zu beheben», versprach Gouverneur Costa, der für 72 Städte und Ortschaften des weitläufigen Bundesstaates den Notstand ausrief - Bahia ist flächenmäßig etwa so groß wie Frankreich.

Leben retten hat Priorität

Der Gouverneur machte aber auch klar: «Priorität hat im Moment, Leben zu retten.» Dazu würden Hubschrauber und Boote eingesetzt, sagte er bei einem Besuch betroffener Gebiete. Auch das Militär helfe mit. Der Gouverneur selbst teilte auf Twitter ein Video, das zeigt, wie ein Mann mit einem Helikopter vom Dach eines Hauses gerettet wird. Den Angaben zufolge hatte er dazu von innen ein Loch durch die Dachziegel geschlagen.

In Itabuna retteten Nachbarn mit Hilfe von Luftmatratzen eine 102-Jährige aus ihrem Haus, wie örtliche Medien berichteten. «Das Wasser stieg so stark an, das es über die Treppe in die Wohnung kam», sagte der Neffe der Frau Reportern. Der Pegelstand des Flusses Cachoeira sei in der Gegend um bis zu zehn Meter gestiegen. Ein anderes Video zeigt, wie Helfer in derselben Stadt einen Mann retten, dem das Wasser in seinem Haus sprichwörtlich bis zum Hals stand.

Bahia leidet bereits seit November unter schweren Unwettern, die nicht nur ganze Landstriche unter Wasser setzen, sondern auch Erdrutsche auslösten. Am Weihnachtswochenende kam der Bruch zweier Dämme in der Region hinzu. Die Verwaltungen der Gemeinden Itambé und Jussiape riefen in sozialen Medien die Bewohner auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Rund zehn weitere Dämme würden in der Region nun genauer inspiziert, meldeten Medien unter Berufung auf die Feuerwehr. Bei einer Staudamm-Katastrophe im brasilianischen Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais waren Anfang 2019 mindestens 260 Menschen von einer Schlammlawine getötet worden.

Der Pegelstand des Flusses Cachoeira gehe inzwischen etwas zurück, twitterte Gouverneur Costa am Montag. Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden, hieß es in Medienberichten unter Berufung auf Meteorologen: Es werde erwartet, dass die Regenfälle noch eine Woche andauern werden.


Bildnachweis: © Manuella Luana/AP/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Kampf gegen Feuer in Belgien - Weiter Bangen auch in NRW
Aus aller Welt

Das Feuer aus Belgien rückt zwar nicht weiter Richtung Monschau in der Eifel vor. Von Normalität ist man aber sehr weit weg, das Bangen bleibt. Rufe und Forderungen aus und an die Politik werden laut.

weiterlesen...
Brand im Hohen Venn: Evakuierung bei Monschau angeordnet
Aus aller Welt

Wegen des Waldbrandes im Hohen Venn müssen Anwohner in Deutschland ihre Häuser verlassen. Eine Notunterkunft ist eingerichtet.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an
Aus aller Welt

Nach dem weltweit ersten Verbot von Social-Media-Konten für unter 16-Jährige geht Australien den nächsten Schritt: Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, ob Algorithmen ihren Feed bestimmen.

weiterlesen...
Rund 16.000 Hitzetote in diesem Jahr – und nun?
Aus aller Welt

Mindestens 16.000 Menschen sind hitzebedingt in diesem Jahr in Deutschland gestorben. Experten erklären, warum viele Todesfälle unentdeckt bleiben – und wie sie verhindert werden könnten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Australien sagt Social-Media-Algorithmen den Kampf an
Aus aller Welt

Nach dem weltweit ersten Verbot von Social-Media-Konten für unter 16-Jährige geht Australien den nächsten Schritt: Nutzer sollen künftig selbst entscheiden können, ob Algorithmen ihren Feed bestimmen.

weiterlesen...
Rund 16.000 Hitzetote in diesem Jahr – und nun?
Aus aller Welt

Mindestens 16.000 Menschen sind hitzebedingt in diesem Jahr in Deutschland gestorben. Experten erklären, warum viele Todesfälle unentdeckt bleiben – und wie sie verhindert werden könnten.

weiterlesen...