22. August 2022 / Aus aller Welt

Ecclestone vor Gericht: Gingen Millionen am Fiskus vorbei?

Eigentlich sollte die Untersuchung der britischen Steuerbehörde einen Schlussstrich ziehen unter «steuerliche Unregelmäßigkeiten» bei Bernie Ecclestone. Doch was die Ermittlungen zutage förderten, ist für den früheren Chef der Formel 1 äußerst brenzlig.

Bernie Ecclestone beim Verlassen des Westminster Magistrates Court in London, wo er wegen Betrugs angeklagt ist.

Den Blick starr geradeaus, vorbei an zahlreichen Fotografen und Kameraleuten schiebt sich Bernie Ecclestone ins Gericht. Für den früheren Boss der Formel 1 steht viel auf dem Spiel, die Vorwürfe sind enorm.

«Die Krone begründet diese Anklage damit, dass er es versäumt hat, einen Trust in Singapur zu deklarieren, dessen Bankkonto ungefähr 650 Millionen US-Dollar beinhaltet», sagt Staatsanwalt Robert Simpson am Montag in London. Der 91-jährige Ecclestone weist die Vorwürfe zurück und erklärt sich in der ersten Anhörung für nicht schuldig.

In Euro ist die Summe in etwa dieselbe. Bisher war von mehr als 400 Millionen Pfund die Rede gewesen, das sind rund 471,5 Millionen Euro. Den Trust - eine Art Sondervermögen - will Ecclestone für seine drei Töchter Deborah (67), Tamara (38) und Petra (33) gegründet haben. Er selbst habe von dem nicht deklarierten Vermögen im Ausland nicht profitieren wollen.

Es könnte eng werden für Ecclestone

Schon nach fünf Minuten schließt Richter Paul Goldspring die Sitzung. Doch dass der Fall noch größer werden dürfte, zeigt sich allein dadurch, dass Goldspring das Verfahren vom London Magistrates' Court an den Londoner Gerichtshof Southwark Crown Court abgibt. «Angesichts des Werts des mutmaßlichen Betrugs hätte dieses Gericht im Falle einer Verurteilung keine ausreichenden Urteilsbefugnisse», erklärt Goldspring. Theoretisch drohen Ecclestone bis zu zehn Jahre Haft.

Die Anklage lautet auf Betrug durch Vorspiegelung falscher Tatsachen. Grundlage ist eine Untersuchung von Ecclestones Finanzen durch die britische Finanz- und Steuerbehörde HMRC (Her Majesty's Revenue and Customs). Ziel sei eine strukturierte Offenlegung des Vermögens gewesen, mit dem Ziel, einen Schlussstrich «unter alle früheren steuerlichen Unregelmäßigkeiten» zu ziehen, sagt Ankläger Simpson. Ecclestone verneinte dabei, dass er im Ausland irgendwelche Trusts besitze. Doch mit Blick auf das Konto in Singapur werden die Ermittler hellhörig - und klagen den Briten an, dessen Vermögen die Zeitschrift «Forbes» auf rund drei Milliarden Dollar schätzt.

Ecclestone erscheint im weißen Geländewagen. Drei Mal kreuzt der Wagen vor dem Gericht, bis er aussteigt. Im dunklen Dreiteiler, mit weißem Hemd und dunkel gestreifter Krawatte wird dem prominenten Angeklagten von Sicherheitsleuten und Mitgliedern seines Anwaltsteams ein Weg durch die wartenden Reporterinnen und Reporter gebahnt. Im Saal erlaubt Richter Goldspring ihm, außerhalb der Anklagebank zu stehen. Ihr 91 Jahre alter Mandant habe «ein bisschen Schwierigkeiten beim Hören», sagt Ecclestones Anwältin Clare Montgomery QC. Bei dieser ersten Anhörung bestätigt der Beschuldigte ansonsten nur noch Namen, Geburtsdatum und Adresse.

Brisante Aussagen und Skandale

Es ist nicht das erste Mal, dass Ecclestone vor Gericht steht. Wegen des Verkaufs der kommerziellen Formel-1-Rechte an das Investmentunternehmen CVC 2006 musste er sich im April 2013 als Angeklagter in München verantworten und dem Vorwurf der Bestechung stellen. Im August desselben Jahres wurde das Verfahren gegen eine Geldauflage von 100 Millionen US-Dollar eingestellt.

Seit der Übernahme der Werbe- und Fernsehrechte Ende der 1970er Jahre hatte Ecclestone die Formel 1 wie kein Zweiter geprägt. Der nur knapp 1,60 Meter große Brite mit dem charakteristischen weißen Haar machte die Serie als machtvoller Geschäftsführer zu einem weltumspannenden und milliardenschweren Unternehmen. Ecclestone erschloss immer wieder neue Märkte, er schreckte dabei vor politisch umstrittenen Ländern und Machthabern nicht zurück. Mit seiner Meinung zu Diktaturen und anderen brisanten Aussagen sorgte er auch immer wieder für Unverständnis und Skandale. Im Januar 2017 wurde Ecclestone von den neuen Formel-1-Besitzern Liberty Media als Geschäftsführer abgesetzt.

Zuletzt musste Ecclestone zurückrudern, nachdem er den russischen Präsidenten Wladimir Putin als «erstklassige Persönlichkeit» gelobt hatte, für die er noch immer «durchs Feuer gehen» würde. Es tue ihm leid. Er habe niemanden mit seinen Aussagen verärgern wollen.


Bildnachweis: © Victoria Jones/PA Wire/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Startet mit spannenden Herausforderungen in die Berufswelt!
Job der Woche

Wir stellen Euch die Ausbildungsplätze bei der RMW Wohnmöbel GmbH & Co. KG vor

weiterlesen...
Kreativer Kopf und Ästhetik-Kenner gesucht!
Job der Woche

Werde ein Teil von IP44.DE outside lighting als Grafikdesigner

weiterlesen...
Aufbau und Inhalte eines Immobilienexposés
Wusstest du das?

Die SKW gibt uns einen Einblick

weiterlesen...

Neueste Artikel

Asteroiden-Probe wird womöglich schon morgen untersucht
Aus aller Welt

In gut 150 Jahren könnte der Asteroid Bennu der Erde recht nahe kommen. Nicht nur deshalb will die Nasa ihn ganz genau erforschen. Was jetzt geplant ist.

weiterlesen...
Italienischer Mafiaboss Messina Denaro gestorben
Aus aller Welt

Matteo Messina Denaro galt als letzter großer Boss der Cosa Nostra. Auf sein Konto gingen viele Morde und andere brutale Verbrechen der Mafia. Nun ist er an den Folgen eines Krebsleidens gestorben.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Asteroiden-Probe wird womöglich schon morgen untersucht
Aus aller Welt

In gut 150 Jahren könnte der Asteroid Bennu der Erde recht nahe kommen. Nicht nur deshalb will die Nasa ihn ganz genau erforschen. Was jetzt geplant ist.

weiterlesen...
Italienischer Mafiaboss Messina Denaro gestorben
Aus aller Welt

Matteo Messina Denaro galt als letzter großer Boss der Cosa Nostra. Auf sein Konto gingen viele Morde und andere brutale Verbrechen der Mafia. Nun ist er an den Folgen eines Krebsleidens gestorben.

weiterlesen...