Sie sind einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel, beunruhigen manche Autofahrer aber wegen angeblich höherer Brandgefahren: E-Autos, die statt Benzin oder Diesel von Lithium-Ionen-Akkus angetrieben werden. Im Falle des vor der niederländischen Küste brennenden Autofrachters «Fremantle Highway» könnte jedenfalls die Batterie eines E-Autos der Brandherd gewesen sein. Erwiesen ist das aber nicht. In einem ähnlichen Fall im vorigen Jahr - dem Feuer auf dem später gesunkenen Schiff «Felicity Ace» bei den Azoren im Atlantik - war ebenfalls spekuliert worden, dass defekte E-Auto-Akkus für den Brand verantwortlich sein könnten. «Die Schiffe sind in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden, mit entsprechenden Veränderungen bei den Brandlasten. Die Löschsysteme haben mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt gehalten und sind häufig veraltet», sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Das muss sich grundlegend ändern. Vor allem Brände von Lithium-Ionen-Akkus auf Schiffen bleiben sonst weitgehend unbeherrschbar.» «Nach allem, was wir aus den Statistiken der Kfz-Versicherer wissen, brennen Elektroautos nicht öfter als Verbrenner», sagt der Sicherheitsexperte des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Kapitän Uwe-Peter Schieder. «Fahrzeugbrände an Elektro- oder Hybridfahrzeugen kommen zwar nicht unbedingt häufiger vor als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen», heißt es auch bei der Prüfgesellschaft Dekra. «Wenn aber die Lithium-Ionen-Batterie eines solchen Fahrzeugs brennt, kann das die Feuerwehren aktuell vor große Herausforderungen stellen.» Als Hauptgründe für Brände durch Lithium-Ionen-Akkus gelten zum einen Produktionsdefekte, zum anderen beschädigte Batteriezellen oder Geräte, eine Überladung oder Kurzschlüsse, wie es beim Allianz-Industrieversicherer AGCS heißt. «Gewusst wie» ist die eigentliche Herausforderung. «Unter Deck werden Brände auf Autotransportern - übrigens genauso wie auf Containerschiffen - mit CO2 gelöscht», so GDV-Experte Schieder. Die Idee dahinter ist, dass das CO2 den Sauerstoff verdrängt beziehungsweise so weit verdünnt, dass das Feuer ohne Sauerstoff erstickt. Das funktioniert bei brennenden Lithium-Ionen-Batterien aber nicht, da sie beim Brennen den Sauerstoff selbst produzieren. Das CO2 ist bei einem solchen Brand also vollkommen wirkungslos.» Auch aus Sicht des Allianz-Versicherers AGCS sind Brände in Elektrofahrzeugen «tückisch, weil sie schwer zu löschen sind und sich spontan wiederentzünden können». Bei Bränden von Lithium-Ionen-Speichermedien wird als «Löschmittel der Wahl Wasser empfohlen», heißt es in einer Risikoeinschätzung, die Berufsfeuerwehren und Feuerwehrverband schon 2018 zusammengestellt haben. Im Kern gehe es um möglichst frühzeitige Kühlung. «Es kann meist von der Feuerwehr nur "Feuer unter Kontrolle" festgestellt werden, da es bis zu "Feuer aus" zu einem tage- bis wochenlangen chemischen Prozess kommen kann.» Ein Autotransporter sei bei einem Brand besonders problematisch, sagt der Leiter der Schnellen Eingreifgruppe See der Hamburger Feuerwehr, Dirk Flocke. Die Decks seien dicht an dicht mit Autos vollgestellt. Da könne man mit einem Schlauch nicht zum Brandherd vordringen. Aus Sicht der Versicherungswirtschaft in vielen Fällen noch nicht ausreichend. 2022 waren nach Feststellung des Versicherers ACGS Brände die Hauptursache für Totalverluste. «Auf ihr Konto gingen acht Schiffsverluste und über 200 Unfälle - seit zehn Jahren der höchste Wert.» Den Grund nennt GDV-Experte Schieder: «Die Löschsysteme sind immer noch die gleichen wie vor 50 Jahren und haben mit der Größenentwicklung und den Brandlasten der Schiffe nicht Schritt gehalten.» Sowohl die Brand-Detektion als auch die Löschsysteme auf und unter Deck müssten grundlegend geändert werden. «Sonst bleiben die meisten Brände unbeherrschbar, Brände von Lithium-Ionen-Akkus sowieso.» Das Thema Akku-Brände sei längst nicht auf Autos beschränkt. «Litihium-Ionen-Akkus finden sich zudem in vielen Geräten, zum Beispiel in Smartphones, Laptops, Pedelecs oder Werkzeugen. Sie werden heute wohl kaum noch ein Containerschiff finden, dass auf seiner Reise keine Lithium-Ionen-Akkus geladen hat», so Schieder.Löschsysteme nicht auf E-Auto-Brände ausgelegt
Die Brandgefahr bei E-Autos
Warum ist das Löschen brennender E-Autos schwierig?
Wie gehen Feuerwehrleute gegen solche Brände vor?
Wie reagieren Reedereien auf die neue Herausforderung?
Bildnachweis: © Herman IJsseling/FLYING FOCUS aerial photography/dpa
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Weshalb brennende E-Autos so schwer zu löschen sind
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