11. März 2022 / Aus aller Welt

Elf Jahre nach Fukushima-GAU: Die Erinnerung verblasst

Tausende von Menschen fielen vor elf Jahren in Japan einem Tsunami zum Opfer. In Fukushima kam es zum Super-GAU, der zum Sinnbild der Katastrophe wurde. Opfer beklagen, dass der Staat die Folgen negiert.

Das Atomkraftwerk Fukushima.
Veröffentlicht am 11. März 2022 um 09:57 Uhr

In Japan droht die Erinnerung an den Atomunfall in Fukushima in Folge eines verheerenden Erdbebens und Tsunamis zu verblassen.

Die weiter an der Atomkraft festhaltende Regierung von Ministerpräsident Fumio Kishida entschied, dass der Staat ab diesem Jahr in Tokio keine zentrale Gedenkfeier für die Opfer mehr abhalten wird. Auch viele Orte in der Katastrophenregion begingen den elften Jahrestag der Dreifach-Katastrophe am Freitag erstmals ohne oder mit verkleinerten Gedenkzeremonien. Während die Erinnerungen an die Katastrophe und den Unfall «verblassen», verbreite der Staat aktiv die Vorstellung, Atomkraftwerke seien «eine der Schlüssellösungen» gegen die Klimaerwärmung, beklagte die Organisation Greenpeace Japan.

Eine gigantische Flutwelle hatte sich an jenem 11. März 2011 an der Pazifikküste aufgebäumt und alles niedergewalzt: Städte, Dörfer und riesige Anbauflächen versanken in den Wasser- und Schlammmassen. Rund 20.000 Menschen riss die Flut in den Tod. In Fukushima kam es in der Folge im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu einem Super-GAU. Er wurde in aller Welt zum Sinnbild der «3/11» genannten Dreifach-Katastrophe - auch wenn keiner der Todesfälle auf die Strahlung zurückgeführt wird.

Rund 300 Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankt

Allerdings sind seither rund 300 Kinder an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Der Staat behauptet, es gäbe keinen Zusammenhang mit dem Atomunfall. Wenn die Kinder sagten, dass sie wegen der radioaktiven Strahlung an Krebs erkrankt seien, würden sie als «Täter von schädlichen Gerüchten gebrandmarkt, die den Wiederaufbau Fukushimas behindern», beklagt der Anwalt Kenichi Ido. Er vertritt sechs Kläger, die zum Zeitpunkt des Atomunfalls zwischen 6 und 16 Jahre alt waren, und im Januar eine Sammelklage gegen den Betreiber Tepco einreichten.

Daneben sind vor Gerichten weitere Dutzende von Sammelklagen anhängig, in denen Tausende von Klägern Entschädigung für den erlittenen wirtschaftlichen Schaden fordern. Rund 38.000 der anfangs 165.000 Evakuierten können noch heute wegen der Strahlung nicht in ihre Heimat zurück. Derweil sind 10 von 59 zwischenzeitlich abgeschalteten Atomreaktoren wieder am Netz, weitere sollen folgen.

Zudem plant die japanische Regierung, im kommenden Frühjahr mehr als 1,25 Millionen Kubikmeter verstrahlten Wassers, das bei der weiterhin nötigen Kühlung der zerstörten Reaktoren anfällt und in 1000 Tanks gelagert wird, gefiltert und verdünnt ins Meer zu leiten. Örtliche Fischereiverbände, Umweltschützer sowie Japans Nachbarn China und Südkorea sind empört und fordern eine Absage der Verklappungspläne.


Bildnachweis: © ---/Kyodo/dpa
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