3. Oktober 2025 / Aus aller Welt

Ernährungsweise trägt weiterhin stark zur Klimakrise bei

Weniger Fleisch von Wiederkäuern - dazu wird nicht nur für die eigene Gesundheit geraten. Auch Klima und Umwelt profitieren. Doch noch bleibt ein weiter Weg beim Wandel der Ernährungssysteme.

Die weltweite Nahrungsmittelproduktion verursacht dem Bericht zufolge rund 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. (Archivbild)
Veröffentlicht am 3. Oktober 2025 um 00:31 Uhr

Ein zentrales Problem wird Experten zufolge in der Klimakrise noch nicht ausreichend angegangen. Die weltweite Nahrungsmittelproduktion verursache rund 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen, heißt es in einem neuen Bericht der EAT-Lancet-Kommission. Gleichzeitig fehle Milliarden Menschen der Zugang zu gesunder Ernährung.

Selbst bei einer globalen Energiewende weg von fossilen Brennstoffen würden allein die Ernährungssysteme dazu führen, dass die Erderwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, warnt die Gruppe. Die Kommission ist ein von der Nichtregierungsorganisation EAT und der Fachzeitschrift «The Lancet» gegründetes internationales Expertengremium. Ziel ist es, Strategien für eine gesunde Ernährung der Menschheit und zugleich für den Schutz der Erde zu entwickeln.

Voraussetzung für ein sicheres Klimasystem und einen gesunden Planeten

«Die Umgestaltung der Nahrungsmittelsysteme ist eine große ökologische und soziale Herausforderung, aber sie ist eine Voraussetzung dafür, dass wir die Chance haben, zu einem sicheren Klimasystem und einem gesunden Planeten zurückzukehren», sagte Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in Potsdam und Co-Vorsitzender der EAT-Lancet-Kommission. «Unsere Ernährungsgewohnheiten können Leben retten, Emissionen drastisch verringern, den Verlust der Biodiversität bremsen und zu mehr Gerechtigkeit beitragen.»

Eine Umstellung auf die sogenannte Planetary Health Diet könnte dem Bericht zufolge jedes Jahr etwa 15 Millionen vorzeitig durch ernährungsbedingte Krankheiten beendete Leben retten. Sie weist große Ähnlichkeiten mit in der Ernährungsberatung üblichen Empfehlungen auf: viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, dazu drei bis vier Eier pro Woche, Fisch, Geflügelfleisch und möglichst wenig Fleisch von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen.

Wiederkäuer geben große Mengen Treibhausgas ab

Deren Fleisch birgt nicht nur ein langfristiges Krebsrisiko, sondern die Tiere erzeugen bei der Verdauung auch erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan. 53 Prozent der Nicht-CO2-Treibhausgase aus der Landwirtschaft stammen von Wiederkäuern, wie es im Bericht heißt. Wenn sich die Menschen weltweit gesünder ernähren würden, könne dies den Treibhausgasausstoß durch den Ernährungssektor um 15 Prozent verringern.

Bei den heutigen Ernährungsweisen fehlen den Experten zufolge meist Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, während Fleisch, Milchprodukte, Fette, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel im Übermaß verzehrt werden. Ziel sei nicht etwa eine einheitliche Ernährung für alle, betont die Gruppe. Die Planetary Health Diet sei flexibel und mit vielen Lebensmitteln, Kulturen, Ernährungsgewohnheiten, Traditionen und individuellen Vorlieben vereinbar.

Obst-, Gemüse- und Nussproduktion sollten expandieren

Große Veränderungen stünden mit einer Umstellung aber dabei an, wie, wo und welche Lebensmittel produziert werden. Einige Sektoren müssten schrumpfen - die Produktion von Wiederkäuer-Fleisch zum Beispiel um etwa ein Drittel. Andere Bereiche müssten expandieren, die Obst-, Gemüse- und Nussproduktion zum Beispiel müsse um fast zwei Drittel im Vergleich zu den Produktionsniveaus von 2020 steigen.

Zu den weiteren Lösungsansätzen gehören die Reduzierung von Lebensmittelverlusten und -abfällen entlang der Lieferkette und die Förderung von landwirtschaftlichen Praktiken, die die Produktivität steigern und gleichzeitig negative Umweltauswirkungen minimieren. Dazu gehört eine Bodenbearbeitung, bei der weniger stark eingegriffen wird als durch tiefreichendes Pflügen.

Klimaneutrales Lebensmittelsystem ist prinzipiell möglich

Beispiellose Investitionen und Anstrengungen in all diesen Bereichen
könnten möglicherweise zu einem klimaneutralen Lebensmittelsystem führen, heißt es im Bericht, der auf der 2019 vorgestellten Analyse einer früheren Kommission aufbaut. Aktuell sind Lebensmittel demnach die größte Einzelursache für die Überschreitung der planetarischen Belastungsgrenzen, zu denen neben dem Klimawandel etwa auch Veränderungen im Stickstoff- und im Phosphorkreislauf und Ozean-Versauerung zählen.

«Der Bericht liefert die bislang klarste Orientierung dafür, wie sich eine wachsende Weltbevölkerung ernähren lässt, ohne den sicheren Handlungsraum der Erde, wie ihn die planetaren Grenzen definieren, zu überschreiten», erklärte Rockström, Erstautor des in «The Lancet» vorgestellten Berichts. Die Experten nehmen dabei auch soziale Aspekte in den Blick. Sie fordern eine faire Entlohnung und sichere Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten im Lebensmittelbereich sowie die Stärkung der Teilhabe von Kleinbauern, indigenen Völkern, Frauen und anderen oft zu wenig berücksichtigten Gruppen an Entscheidungsprozessen.


Bildnachweis: © Nati Harnik/AP/dpa
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