29. August 2024 / Aus aller Welt

Erneut tödliche Polizeischüsse in NRW - Obduktion geplant

Wieder ist ein Polizeieinsatz in NRW tödlich für einen mutmaßlichen Messerangreifer ausgegangen. Nach dem Vorfall in Recklinghausen sollte eine Obduktion erfolgen.

Nach einem Vorfall im Moers am Dienstag soll es nun in Recklinghausen zu tödlichen Polizeischüssen gekommen sein.
Veröffentlicht am 29. August 2024 um 12:15 Uhr

Nach einem weiteren tödlichen Schusswaffeneinsatz der Polizei in Nordrhein-Westfalen sind die Ermittlungen zu dem Vorfall in Recklinghausen fortgesetzt worden. Ein 33 Jahre alter Mann hatte dort nach bisherigen Erkenntnissen am Mittwochabend in einem Mehrfamilienhaus randaliert, für die alarmierten Beamten habe sich eine Bedrohungssituation entwickelt. 

Es sei zu einem Schusswaffengebrauch gegen den 33-Jährigen gekommen, berichteten die Polizei in Dortmund und die Bochumer Staatsanwaltschaft zunächst. Dabei habe der Mann tödliche Verletzungen erlitten. 

Obduktion des Getöteten steht an 

Nach Zeugenangaben hatte der 33-Jährige auch ein Messer bei sich geführt. Viele Fragen waren am Tag nach dem Zwischenfall noch offen. Am Donnerstag sollte eine Obduktion erfolgen. 

Wie viele Beamte im Einsatz waren, wie viele Schüsse abgegeben wurden und aus wie vielen Waffen, sollte noch untersucht werden. Ein Sprecher der Dortmunder Kripo, die aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen übernommen hatte, verwies am Donnerstag auf die Bochumer Staatsanwaltschaft. Dort war der zuständige Staatsanwalt für Anfragen aber zunächst nicht erreichbar. 

Zwei Fälle von tödlichen Polizeischüssen in zwei Tagen in NRW

Nur einen Tag vor dem Vorfall in Recklinghausen war ein mit Messern bewaffneter Mann in Moers am Niederrhein durch Polizeischüsse getötet worden. Der 26 Jahre alte Deutsche - den Ermittlern zufolge erheblich psychisch auffällig - soll am Dienstag in einem Wohngebiet mit zwei Messern in den Händen auf Polizisten losgerannt sein, die daraufhin schossen. Zuvor waren mehrere Notrufe eingegangen, weil der Mann mehrere Passanten angegriffen und bedroht haben soll. Auch in diesem Fall sind viel Details noch ungeklärt. 

In Dorsten im Kreis Recklinghausen suchten die Ermittler am Donnerstag unterdessen weiter nach einem flüchtigen Tatverdächtigen, der einem Kontrahenten am Mittwochabend Stichverletzungen zugefügt haben soll. Auch hier soll vermutlich ein Messer eingesetzt worden sein. Messergewalt hat im bevölkerungsreichsten Bundesland drastisch zugenommen - sie stieg in NRW im öffentlichen Raum im vergangenen Jahr um fast 43 Prozent auf 3.540 registrierte Fälle. 

Polizeischüsse sind selten 

Dass die Polizei in Notwehrsituationen, Gefahrenlagen oder zur Verbrechensverhinderung Menschen erschießt, ist in Deutschland die Ausnahme, nicht die Regel: Laut einer Statistik der Deutschen Hochschule der Polizei gab es im Jahr 2023 bundesweit neun Tote durch Schusswaffengebrauch der Polizei, 2022 waren es elf. 

Eine Auflistung der Zeitschrift für Bürgerrechte und Polizei dokumentiert für das laufende Jahr 2024 - inklusive der jüngsten Fälle in Nordrhein-Westfalen - nun elf Fälle. Demnach waren die Erschossenen häufig mit einer Stich- oder Hiebwaffe bewaffnet. 


Bildnachweis: © Justin Brosch/dpa
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