21. Mai 2024 / Aus aller Welt

Erste Entwarnung nach Hochwasser im Südwesten

Das Schlimmste ist vorbei. Dennoch wird die Wetterentwicklung im Saarland und in Teilen von Rheinland-Pfalz genau beobachtet. In der Oberpfalz reißt das Wasser Autos mit.

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser in Kirn-Sulzbach.
Veröffentlicht am 21. Mai 2024 um 21:24 Uhr

Nach dem verheerenden Hochwasser am vergangenen Wochenende im Saarland hat der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD) Entwarnung gegeben. Nach neuesten Informationen könne «das Wettergeschehen herabgestuft» werden, sagte er in der Staatskanzlei des Saarlandes in Saarbrücken. Es sei jetzt nur noch «mit einem mäßigen Hochwassergeschehen» zu rechnen. «Das ist, wie ich finde, eine gute Nachricht», sagte er mit Blick auf angekündigte weitere Regenfälle.

Dennoch seien alle Einsatzkräfte in Reserve «und warten auf einen hoffentlich nicht stattfindenden Einsatz, weil die Wetterlage sich so entwickelt, dass es keine weitere Verschärfung der Lage gibt». Die Lage werde weiter sehr genau beobachtet. «Wir sind gerüstet», sagte ein Sprecher des Innenministeriums. «Im Moment sieht es sehr ruhig, sehr übersichtlich und entspannt aus», sagte er.

Am Pfingstwochenende kämpften vor allem Menschen im Saarland und im Südwesten von Rheinland-Pfalz gegen Hochwasser und Überschwemmungen. Enorme Regenmengen hatten dort für Überflutungen, Erdrutsche und vollgelaufene Straßen und Keller gesorgt. Im Saarland starb eine 67-Jährige infolge eines Hochwasser-Rettungseinsatzes. Laut Jost sei zudem nach einem Rettungseinsatz ein «Kamerad» an einem Herzversagen gestorben. Es handele sich um ein Mitglied des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Kreisverband Merzig.

Wasser reißt in Oberpfalz Autos mit sich

In der Gemeinde Kastl in der Oberpfalz haben Wassermassen Autos über die Straßen getrieben und Menschen in ihren Häusern eingeschlossen. Verletzt worden sei niemand, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Amberg am Abend. Die Festsitzenden seien bereits befreit worden. In der Ortsmitte sei der Fluss Lauterach über die Ufer getreten.

Die Autos, die die Fluten mitgerissen hätten, seien an einer Brücke angeschwemmt worden, sagte der Sprecher. Dort sorgten sie dafür, dass sich das Wasser zusätzlich staue. Die Fahrzeuge würden nun mit schwerem Gerät - etwa Baggern und Radladern - geborgen. 

Es seien schätzungsweise 200 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr, der Wasserwacht und des Rettungsdiensts vor Ort. Seit dem frühen Nachmittag sei die Feuerwehr im Einsatzgebiet der Leitstelle immer wieder vereinzelt zu Einsätzen ausgerückt, sagte der Sprecher.

Wasserstände sollen moderat steigen

Derzeit gebe es keine größeren Einsatzlagen im Saarland. Laut Hochwasserlagebericht werden die Pegelstände im Einzugsbereich der Saar nicht weiter fallen, sondern sollen im Laufe des Vormittags erneut ansteigen. Der Anstieg werde aber aufgrund der angekündigten Niederschlagsmenge «moderat» ausfallen, hieß es. Da es auch Gewitter geben soll, könnte es an einzelnen kleineren Gewässern allerdings «zu kurzzeitigem starken Ansteigen der Wasserstände» kommen.

Wo das der Fall sein soll, lasse sich nicht vorhersagen. Die Menschen an kleinen Gewässern sowie in den besonders hochwassergefährdeten und noch überfluteten Gebieten sollten daher besonders achtsam sein, teilte das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz mit.

Historisches Hochwasser

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sagte, das Hochwasser sei nach dem Jahrhunderthochwasser 1993 «ein wirkliches Katastrophenereignis mit historischem Ausmaß» gewesen. Es gebe keinen Landkreis, der nicht betroffen gewesen sei. Mehr als 4000 Einsätze stünden in der Bilanz. Für ein vollständiges Schadensbild sei es noch zu früh. Die Landesregierung stelle bereits jetzt schon finanzielle Unterstützungen in Aussicht. Wie diese genau erfolgten, werde mit den Kommunen noch final erarbeitet. «Bis Ende der Woche sagen wir, wie der Weg dazu sein wird und wo man die Anträge stellen kann», sagte sie.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gilt für das Saarland und den Südwesten von Rheinland-Pfalz weiter eine amtliche Warnung vor Dauerregen. Für das Saarland werde mit Regenmengen von 10 bis 20, stellenweise bei Gewittern bis zu 30 Litern pro Quadratmeter gerechnet. Der Regen sollte dann aber gegen Nachmittag oder Abend wegziehen, sagte ein Sprecher.

In Rheinland Pfalz könne es im Laufe des Nachmittags und bis in die Nacht zu Mittwoch im Norden und Nordosten zu Gewittern und unwetterartigem Starkregen kommen - mit 15 bis 30 Litern Niederschlag pro Quadratmeter, stellenweise 40 bis 50 Litern oder mehr in der Tagessumme.

Bilanz der Unwetterschäden

Die Höhe der von Dauerregen und Unwetter verursachten Schäden im Saarland und in Rheinland-Pfalz kann frühestens in einigen Tagen abgeschätzt werden. Das Wasser müsse zunächst ganz abgeflossen sein, bevor die Schäden überhaupt begutachtet werden könnten, hieß es beim Gesamtverband der Versicherer (GDV) in Berlin. Dies werde auf noch einige Tage dauern und hänge auch davon ab, wie sich die weiteren angekündigten Regenfälle entwickelten. Die R+V Versicherung in Wiesbaden warnt davor, Wasserschäden übereilt und ohne Fachkenntnisse zu beheben.

In Rheinland-Pfalz haben laut GDV 46 Prozent und im Saarland 47 Prozent eine Versicherung über den Schutz gegen Elementarrisiken wie Starkregen und Hochwasser abgeschlossen. Im Bundesdurchschnitt seien 54 Prozent gegen alle Naturgefahren versichert.


Bildnachweis: © Sebastian Schmitt/dpa
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