2. Juni 2022 / Aus aller Welt

Faktencheck: Gasgrill besser fürs Klima als Holzkohle?

Kohle- oder Gasgrill: Welcher ist schädlicher fürs Klima? Das zeigt dieser Faktencheck und verrät auch, dass das Grillgut oft der wahre Umweltsünder ist.

Entscheidend für die Klimabilanz beim Grillen ist weniger das verwendete Gerät - sondern das, was auf den Rost kommt.

Die Deutschen stehen gerne am Grill und das durch die Pandemie bedingt sogar häufiger. 28 Prozent der Befragten gaben in einer Studie der Marktforschungsberatung mafowerk an, durch das Coronavirus öfter als zuvor ihren Rost anzuheizen. Und darunter sorgt immer häufiger Gas für die notwendige Hitze. Nummer eins bleibt die Holzkohle - obwohl sie schädlicher für die Natur sein soll. Stimmt das? Ein Faktencheck.

Behauptung: Grillen mit Gas ist klimafreundlicher als mit Holzkohle und setzt weniger schädliches Kohlendioxid (CO2) frei.

Bewertung: Das stimmt, wichtiger für die Klimabilanz ist jedoch die Auswahl des Grillguts.

Fakten: Für ihr Grillerlebnis vertrauen die Deutschen nach wie vor überwiegend auf die Hitze von Holzkohle - auch wenn der Trend rückläufig ist. 2011 nutzten noch 74 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa Befragten diese Methode, zehn Jahre später sind es nur noch 58 Prozent. Das geht aus der aktuellen Grillstudie des Geflügelfleischunternehmens Wiesenhof hervor.

Gasgrills werden demnach immer beliebter: 2011 war es noch jeder Zehnte, mittlerweile grillen 29 Prozent der Befragten auf diese Art.

Während bei einem Holzkohlegrill für viele Grillexperten das Erlebnis im Vordergrund steht, also von der Prozedur des Entzündens bis zum Riechen und sogar Schmecken der Glut, hat der Gasgrill andere Vorteile: Weil es keine Feuerstelle zu entsorgen gibt, macht er weniger Dreck. Durch das einströmende Gas, das entzündet wird, kommt er viel schneller auf Temperatur. Zudem ist er im Vergleich mit dem Holzkohlegrill klimafreundlicher.

Zu diesem Ergebnis kommt Eric Johnson in einer Studie. Der Leiter der Schweizer Umweltberatung «Atlantic Consulting» hat bereits 2009 die CO2-Bilanzen von zwei Grillsystemen verglichen - Kohle und Flüssiggas. Er verglich beide Systeme, indem er sie jeweils 150 Mal eine Stunde lang laufen ließ, um theoretisch zwei Kilogramm an Essen darauf zuzubereiten.

Fazit: Beim Einsatz des Holzkohlegrills werden 6,7 Kilogramm CO2 freigesetzt. Mit einem modernen Auto, das nur etwa sechs Liter Benzin verbraucht, käme man damit fast 50 Kilometer weit. Beim Gasgrill werden laut Studie bei einem Einsatz nur 2,3 Kilogramm an CO2 freigesetzt. Hier käme das Auto nur etwa 16 Kilometer weit. Insgesamt bedeutet das Ergebnis: Der CO2-Ausstoß ist beim Grillen mit Holzkohle fast drei Mal so groß wie mit Gas.

Ein Grund für den Unterschied ist die Herstellung des Brennstoffes, den die Studie bei der Grillkohle mit etwa 3 Kilogramm CO2 pro Einsatz angibt. Beim Gasgrill sind es dagegen nur 0,12 Kilogramm CO2.

Entscheidender für die Umwelt als die Art des Grills (Holzkohle, Gas oder Elektro) ist jedoch, was gegrillt wird. Das Umweltbundesamt verweist auf eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland von 2011, wonach der ganz überwiegende Großteil der anfallenden klimarelevanten Emissionen durch das Grillgut verursacht wird.

Tierische Produkte belasten die Umwelt über den gesamten Lebensweg weit mehr als etwa Mais. Die größten Klimasünder auf dem Grill sind laut TÜV Rheinland demnach Rindfleisch mit Emissionen von rund 2,9 Kilogramm CO2-Äquivalent (CO2e) je 200 Gramm gegrilltem Fleisch und Käse mit rund 1,9 kg CO2e je 200 Gramm. Die Maßeinheit dient zur Vereinheitlichung der Klimawirkung, ein kg CO2e entspricht der Wirkung von einem kg CO2. Es folgen Schweinefleisch und Würstchen.

Am besten fürs Klima: gegrillter Mais mit 50 Gramm CO2e, der die einzige pflanzliche Nahrung der Studie war. Bei den Ergebnissen spielte die Art des Grills kaum eine Rolle.

Und was legen die Deutschen auf den Grill? Am beliebtesten bleibt laut Wiesenhof-Grillstudie trotz eines Rückgangs Schweinefleisch (2021: 63 Prozent, 2009: 69 Prozent), gefolgt von Geflügel (2021: 58, 2009: 54). Einen besonders starken Zuwachs hat Gemüse (2021: 50, 2009: 29). Es lag 2021 knapp vor Rind, das ebenfalls zugelegt hat (2021: 49, 2009: 33). Grillkäse kam 2021 auf 37 Prozent, Kartoffeln auf 26, Fisch auf 24, Lamm auf 16. Vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte betrugen zusammen 13 Prozent.

Hinter Wiesenhof steckt der Mutterkonzern PHW, der als größter deutscher Geflügelzüchter und -verarbeiter gilt. Seit einigen Jahren setzt Wiesenhof verstärkt auf Fleischersatzprodukte.


Bildnachweis: © Bernd Weißbrod/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

SHK- und Elektro-Innung Bielefeld bei den Wärmepumpen-Tagen 2025
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Die Energiewende braucht das Handwerk – und unsere SHK-Innung Bielefeld zeigt bei den Wärmepumpen-Tagen, wie moderne...

weiterlesen...
Assistent/Assistentin der Hauptgeschäftsführung (m/w/d)
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Für unsere Geschäftsstelle in Gütersloh suche wir ab sofort Verstärkung.

weiterlesen...
Youtube-Star Jan Zimmermann von «Gewitter im Kopf» ist tot
Aus aller Welt

Jan Zimmermann klärte mit Humor und Offenheit über das Tourette-Syndrom auf. Nun trauert die Youtube-Szene um den 27-Jährigen.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Deutscher Alpinist von Lawine erfasst und getötet
Aus aller Welt

Ein Klettersteig an der Zugspitze ist einem jungen Mann aus Baden-Württemberg zum tödlichen Verhängnis geworden. Er wurde von einer Lawine erfasst - und hatte wohl einen fatalen Fehler begangen.

weiterlesen...
US-Gesundheitsbehörde: Norovirus-Ausbruch auf Aida-Schiff
Aus aller Welt

Im November ging das Kreuzfahrtschiff «Aidadiva» auf Weltreise - nun sind Passagiere und Crew-Mitglieder laut der US-Behörde CDC an Noroviren erkrankt. Wie sich die Reederei äußert.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Deutscher Alpinist von Lawine erfasst und getötet
Aus aller Welt

Ein Klettersteig an der Zugspitze ist einem jungen Mann aus Baden-Württemberg zum tödlichen Verhängnis geworden. Er wurde von einer Lawine erfasst - und hatte wohl einen fatalen Fehler begangen.

weiterlesen...
US-Gesundheitsbehörde: Norovirus-Ausbruch auf Aida-Schiff
Aus aller Welt

Im November ging das Kreuzfahrtschiff «Aidadiva» auf Weltreise - nun sind Passagiere und Crew-Mitglieder laut der US-Behörde CDC an Noroviren erkrankt. Wie sich die Reederei äußert.

weiterlesen...