16. September 2021 / Aus aller Welt

Größter Crystal-Meth-Fund in Berlin

Früher war klar: Kokain kommt aus Südamerika, Crystal Meth und andere synthetische Drogen vor allem aus Osteuropa. Daran ändert sich offenbar gerade einiges.

Crystal Meth hat ein hohes Abhängigkeitspotenzial und ist relativ billig (Symbolbild).
Veröffentlicht am 16. September 2021 um 15:58 Uhr

Die Zeichen sind alarmierend. Dass das gefährliche Rauschgift Crystal Meth seit Jahren auf dem Vormarsch ist, sagen Polizei und Drogenexperten schon länger.

Bisher kam die synthetische Droge aus Tschechien und war ein Problem vor allem in Sachsen, Südbrandenburg, Thüringen und Bayern. Inzwischen erreicht Crystal Meth in größeren Mengen auch Berlin - und es gibt neue Herkunftsländer und Vertriebswege. Das zeigt der bislang größte Einzelfund von 18,1 Kilogramm in der Hauptstadt, den das Zollfahndungsamt und die Staatsanwaltschaft am Donnerstag präsentierten.

Crystal Meth habe in Berlin und Brandenburg bislang eher eine «nachrangige Bedeutung» gehabt, sagte der Leiter der Zollfahndung Berlin-Brandenburg, Oliver Pampel-Jabrane. In den vergangenen Jahren habe man nur Mengen bis zu wenigen Kilogramm gefunden. 2020 seien zum ersten Mal zehn Kilo auf einen Schlag entdeckt worden. Jetzt komme dieser neue große Fund dazu. Daher müsse man die Lage «neu bewerten», betonte er.

Das synthetisch hergestellte Crystal Meth bezeichnet eine Kristallform von Methamphetamin, was wiederum eine Abwandlung des Aufputschmittels Amphetamin ist. Auch das seit den 90er Jahren als Partydroge genutzte Ecstasy ist aus Amphetamin abgeleitet. Meth hat ein höheres Abhängigkeitspotenzial als andere illegale Drogen, ist gleichzeitig aber recht billig.

Kokain, Ecstasy, Marihuana

100 Beamte der Zollfahndung und Spezialeinheiten hatten am Dienstag private Wohnungen, Depot-Wohnungen und Autos einer dreiköpfigen Bande von mutmaßlichen Drogen-Großhändlern durchsucht. Neben dem Crystal Meth fanden sie 29,6 Kilo Kokain, 47,3 Kilo Ecstasy, 2 Kilo Marihuana und 30.000 Euro Bargeld. Bewacht von vier Mitgliedern einer Spezialeinheit zeigte der Zoll die sichergestellten Drogen: Tüten voller Crystal-Meth-Kristalle, Plastiksäcke mit farbigen Ecstasy-Tabletten, zu großen weißen Blöcken gepresstes Kokain.

Zoll und Staatsanwaltschaft sprachen von einem «empfindlichen Schlag» gegen den Rauschgifthandel und einem «herausragenden Drogenfund» mit einem Straßenverkaufswert von 4,2 Millionen Euro. Zwei Deutsche im Alter von 61 und 51 Jahren sowie ein 40-jähriger Vietnamese wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.

Die Bande soll die Drogen nach Berlin geschmuggelt haben, um sie an Zwischen- und Kleinhändler zu verkaufen, die sie wiederum im ganzen Stadtgebiet anbieten sollen. Für die Lagerung soll der Vietnamese auch extra gemietete Hotelzimmer genutzt haben.

Crystal Meth auf dem Vormarsch

Nachdem von Crystal Meth in Berlin früher immer nur einige hundert Gramm gefunden wurden, seien die Mengen zuletzt «stetig gestiegen» und hätten nun neue Größenordnungen erreicht, sagte Oberstaatsanwalt Günter Sohnrey. Auffällig geworden sei der Konsum zuerst in der vietnamesischen Community und auch im Bereich von Partys in der Homosexuellen-Szene. Das Problem breite sich aber immer weiter aus, sagte Sohnrey.

Neu ist auch die Herkunft: der aktuelle Fund stammt aus den Niederlanden und Polen. In den Niederlanden war erst im Sommer das dort bislang größte Labor zur Herstellung von Crystal Meth entdeckt worden. Dort konnten pro Tag mehr als 100 Kilogramm der Droge hergestellt werden - mit einem Handelswert von etwa einer Million Euro.

Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte im Sommer, in den Niederlanden und Belgien sei ein wachsender Einfluss mexikanischer Drogenkartelle zu befürchten. Deren Mitglieder seien verstärkt an der Herstellung illegaler synthetischer Drogen, besonders von Crystal Meth, beteiligt.

Die Drogenkartelle mit einem «enormen Gewaltpotenzial» könnten an Einfluss in Europa gewinnen und sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit anderen Rauschgiftbanden liefern. Deutschland sei ein wichtiger Absatzmarkt für internationale Banden.

Wie global das Drogengeschäft inzwischen organisiert ist, zeigt ein Detail aus den Ermittlungen gegen die deutsch-vietnamesische Bande in Berlin. Sie verschickten Ecstasy auch mit Paketen nach Vietnam. Versteckt waren die Tabletten in Elektrogeräten, Kosmetiktuben und Bonbontüten.


Bildnachweis: © Fredrik von Erichsen/dpa/Symbolbild
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