26. August 2021 / Aus aller Welt

Häufigeres Extremwetter: Behörden sehen Handlungsbedarf

Eine Analyse der vergangenen Jahre zeigt, dass Extremwetter häufiger werden. Besonders in städtischen Gebieten kann das gefährlich werden. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, sagen Experten.

Die Bilder vom Unwetter in Bad Neuenahr sind um die Welt gegangen.
Veröffentlicht am 26. August 2021 um 14:56 Uhr

Mehr Starkregen als bisher und auf größerer Fläche: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit sich verschärfenden Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland. Es werde häufiger zu Starkregen kommen, der zugleich intensiver ausfalle, erklärte der DWD am Donnerstag in Offenbach.

Der Wetterdienst beruft sich auf eine Analyse von Niederschlagsdaten aus den Jahren 2001 bis 2020. Die Auswertung zeige auch, dass Starkregen überall in Deutschland auftreten könne, sagte Tobias Fuchs, DWD-Vorstand Klima und Umwelt.

Analysiert wurde, wo extremer Niederschlag auftrat, welches Gebiet er betraf, wie intensiv er war und wie lange er dauerte. Ein Ergebnis: Mit steigenden Temperaturen betreffen lokale Gewitter mit extremem Starkregen eine größere Fläche und werden intensiver. Und mit der Gesamtmenge an Niederschlag steige auch die Gefahr, die von ihm ausgehen könne.

Als entscheidend hierfür wurde identifiziert, wie städtisch ein Gebiet geprägt ist und wo es liegt: Erfasst wurden in der Untersuchung Einsatzdaten von Feuerwehren, die demnach «signifikant häufiger in Senken sowie an Orten mit einem hohen Maß an Besiedelung und Flächenversiegelung» ausrücken mussten, wie der DWD erklärte.

Handeln sei dringend angezeigt und auch möglich, sagte Fuchs. Der Klimaschutz müsse verstärkt werden, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Vor allem in städtischen Gebieten müsse Vorsorge getroffen werden, um die Auswirkungen von Starkregen abzufedern.

Städte und Gemeinden stünden dabei vor einer Jahrhundertaufgabe, sagte Peter Jakubowski vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): «Kommunen müssen sich auf extremere Ereignisse einstellen.» Besonders städtisch geprägte Regionen müssten rasch handeln und etwa Flächen entsiegeln, damit diese mehr Wasser aufnehmen könnten. Dazu beitragen könnten auch kleine Flächen wie Schulhöfe oder Parkplätze, die entsiegelt Wasser aufsaugen könnten wie ein Schwamm. Zugleich müsse abgewogen werden, ob Grünflächen bebaut werden.

Hauseigentümer müssten ihre Immobilie vor den Folgen von Extremwetter schützen. Außenwände könnten verstärkt, Bodenplatten verankert werden, sagte Jakubowski. Da solche Maßnahmen zusätzliche Kosten bedeuteten, müsse auch über Förderprogramme nachgedacht werden. Der Finanzbedarf sei immens. Das Bundesinstitut und der DWD arbeiten beim Thema Anpassung an den Klimawandel zusammen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und dem Umweltbundesamt.

Die Hochwasserkatastrophe, die vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrein-Westfalen Mitte Juli zu schweren Verwüstungen und mehr als 180 Toten führte, sei ein extrem seltenes Ereignis gewesen, erklärte der DWD. Vorstand Fuchs sagte, die hier verbreitet gemessenen Niederschlagsmengen träten statistisch betrachtet alle 100 Jahre oder seltener auf. Hinzu seien die sehr lange Dauer von 48 Stunden und die enorme Größe des Regengebiets von 43 000 Quadratkilometern gekommen. Zusammengefasst lägen die Werte etwas oberhalb der Niederschläge, die im Jahr 2002 zum Elbehochwasser geführt hätten.


Bildnachweis: © Thomas Frey/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Drei Stunden Stau am Schweizer Gotthard-Tunnel
Aus aller Welt

Blechlawinen vor dem Gotthard-Tunnel, Proteste in Amsteg: Wie Urlauber und Anwohner unter dem Mega-Stau leiden – und welche Alternativen es gibt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Totale Sonnenfinsternis gestartet - ein Millionenspektakel
Aus aller Welt

Die totale Sonnenfinsternis zieht von Sibirien bis Spanien. In Deutschland verdeckt der Mond die Sonne immerhin noch zum Teil. Doch in der Nacht bietet der Himmel noch ein Schauspiel.

weiterlesen...
Ebola: WHO warnt vor Rekord-Epidemie im Kongo
Aus aller Welt

Die WHO schlägt Alarm: Im Kongo breitet sich Ebola so schnell aus wie nie zuvor. Warum der Kampf gegen die Krankheit so schwierig ist.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Totale Sonnenfinsternis gestartet - ein Millionenspektakel
Aus aller Welt

Die totale Sonnenfinsternis zieht von Sibirien bis Spanien. In Deutschland verdeckt der Mond die Sonne immerhin noch zum Teil. Doch in der Nacht bietet der Himmel noch ein Schauspiel.

weiterlesen...
Ebola: WHO warnt vor Rekord-Epidemie im Kongo
Aus aller Welt

Die WHO schlägt Alarm: Im Kongo breitet sich Ebola so schnell aus wie nie zuvor. Warum der Kampf gegen die Krankheit so schwierig ist.

weiterlesen...