4. Januar 2024 / Aus aller Welt

Illegale Fischerei erheblich verbreiteter als gedacht

Viele Bestände von Meeresbewohnern gelten als überfischt. Dazu trägt auch illegale Fischerei bei. Deren Ausmaß war bislang unklar. Eine Analyse von Satellitenbildern gibt nun Einblick in diese Praxis.

Auf der Karte sind die Fahrten von Fischereischiffen, die sich nicht nachverfolgen ließen, rot markiert. Forscher fanden heraus, dass es zu drei Vierteln aller Fischereifahrten keine öffen...
Veröffentlicht am 4. Januar 2024 um 13:26 Uhr

Zu rund drei Vierteln aller Fahrten von größeren Fischereischiffen gibt es einer Studie zufolge keine öffentlich zugänglichen Daten. Das ergibt eine Analyse von Satellitenaufnahmen aus dem Zeitraum 2017 bis 2021. Die dabei entdeckten Aktivitäten könnten Hinweise auf mögliche illegale Fischerei geben, schreibt ein Forschungsteam um Fernando Paolo von der Non-Profit-Organisation Global Fishing Watch in der Fachzeitschrift «Nature». Zum Vergleich: Bei Transportschiffen lässt sich demnach nur etwa ein Viertel aller Fahrten nicht nachverfolgen.

«Mehr als eine Milliarde Menschen sind auf das Meer als Hauptnahrungsquelle angewiesen, 260 Millionen Menschen sind allein in der globalen Meeresfischerei beschäftigt», schreiben die Studienautoren. Allerdings gelten viele Bestände von Meeresbewohnern als überfischt, auch durch illegale Fischerei.

Seit dem Jahr 2000 ist das Automatische Identifikationssystem (AIS) ein verbindlicher Standard der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), das unter anderem die Sicherheit des Seeverkehrs verbessern soll. Es sind jedoch nicht alle Schiffe verpflichtet, AIS-Geräte zu verwenden, da die Vorschriften je nach Land, Schiffsgröße und Aktivität variieren. Außerdem kann ein AIS-System ausgeschaltet werden, etwa um illegale Fischerei zu verschleiern.

Um ein vollständigeres Bild von den Aktivitäten des Menschen auf dem Meer zu erhalten, analysierten Paolo und Kollegen 67 Millionen Ausschnitte von Satellitenbildern. Daraus erstellte das Team Karten, die eine Auflösung von 15 bis 20 Metern haben und auf denen sie verschiedene Objekte auf den Ozeanen identifizieren konnten - von Schiffen über Bohrinseln bis hin zu Windkraftanlagen. Durch den Abgleich mit den öffentlich zugänglichen AIS-Daten ermittelten die Autoren dann jene Schiffssichtungen, bei denen AIS-Systeme nicht verwendet wurden.

Industrielle Fischerei in Asien umfangreicher

Betrachtet man nur die AIS-Daten, sind die Fischereiaktivitäten vor den europäischen Küsten etwa gleich groß wie jene etwa vor den asiatischen Küsten. Die Satellitendaten zeigen jedoch, dass die industrielle Fischerei um Asien erheblich umfangreicher ist. Demnach stellen asiatische Fangflotten etwa 70 Prozent aller Fischereischiffe weltweit. Allein in den Gewässern um China machen diese Schiffe demnach global gesehen etwa 30 Prozent aus.

In einem ebenfalls in «Nature» veröffentlichten Kommentar schreiben Konstantin Klemmer von Microsoft Research New England in Cambridge und Esther Rolf von der Harvard University in Boston (beides im US-Bundesstaat Massachusetts), die neuen Karten ermöglichten eine umfassendere Bestandsaufnahme der menschlichen Aktivitäten auf den Meeren als je zuvor.


Bildnachweis: © Global Fishing Watch/dpa
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