4. Februar 2025 / Aus aller Welt

Kunstprojekt: Wenn die KI für einen wählt

Künstliche Intelligenz steuert Autos und entsperrt Handys. Doch was, wenn die KI noch viel mehr über uns weiß - oder zu wissen scheint? Wenn sie uns sogar unsere Wahlentscheidung abnimmt?

Die KI erkennt charakteristischen Gesichtszüge - und leitet daraus ab, welche Merkmale in Gesichtern mit einer bestimmten Parteienpräferenz einhergehen.
Veröffentlicht am 4. Februar 2025 um 15:35 Uhr

Kurz in die Kamera schauen und die eigene Wahlentscheidung der KI (Künstlicher Intelligenz) überlassen: Das geht - vermeintlich - im Rahmen eines Kunstprojekts im Deutschen Museum in München. Es gehe um die Kernfrage, wie viel persönliche Freiheit man im Gegenzug für Bequemlichkeit aufzugeben bereit sei, erläutert IT-Professor Alexander Peterhänsel, der die Installation «Smile to Vote» entwickelt hat.

Wenn wir der KI erlaubten, über unsere Lebenswege zu entscheiden, gebe es keinen Grund mehr, selbst eine politische Entscheidung zu treffen, sagt Peterhänsel. «Dann bräuchten wir auch keine Wahlen mehr und unsere Vorstellung, dass wir uns als Individuen ändern und weiterentwickeln können, wäre hinfällig.» 

Sein Fazit: «Wir müssen uns überlegen, wie wir mit diesen Technologien in Zukunft umgehen und wie wir sie vielleicht auch regulieren müssen, wenn wir unsere Kultur und Selbstbestimmung erhalten wollen.»

Welche Partei ist typisch für meine Gesichtszüge?

In der Installation betreten die Besucherinnen und Besucher eine nachgebaute Wahlkabine, werden per Gesichtserkennung gescannt und bekommen dann eine Bestätigung ausgestellt, welche Partei die KI für einen «gewählt» habe. 

Die Entscheidung fällt aufgrund von Übereinstimmungen der Gesichtszüge mit den Merkmalen, die die KI aus den Physiognomien real existierender Abgeordneter abgeleitet und deren jeweiliger Partei zugeordnet hat. 

Kunstprojekt soll «schmerzhaft und schockierend» sein

«Der Moment, in dem der Algorithmus einen einsortiert und darüber entscheidet, was man ist, wie man denkt und wie man sich in Zukunft verhalten wird, und einem die Entscheidungsgewalt beim Wählen abnimmt, ist schmerzhaft – und soll auch ganz bewusst schmerzhaft und schockierend sein», betont Peterhänsel. 

Die Installation ist bis zum 7. März im Deutschen Museum zu sehen. Mit ihr verknüpft ist auch die Internetseite eines fiktiven Start-ups, das dafür wirbt, Wahlvorgänge in Zukunft zu automatisieren.


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
Die Kinder der Flut: «Dieses Wasser und die ganzen Schreie»
Aus aller Welt

Eine Nacht voller Angst, danach zerstörte Zuhause und Spielplätze: Kinder aus dem Ahrtal erzählen, wie die Flut ihr Leben bis heute prägt.

weiterlesen...
US-Medien: Schreiben behauptet Tod vermisster Nancy Guthrie
Aus aller Welt

Das Verschwinden der Mutter von US-Moderatorin Savannah Guthrie sorgte in den USA Anfang des Jahres für großes Aufsehen. Nun berichten US-Medien über eine mutmaßliche Nachricht der Entführer.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zwang zur Nierenspende: Verdächtige in Rumänien festgenommen
Aus aller Welt

Zwei Rumänen sollen einen Mann in München zur Nierenspende gezwungen und festgehalten haben. Jetzt wurden sie in Rumänien festgenommen. Der Haftbefehl kam aus Deutschland.

weiterlesen...
Verdächtiger von Stade tot in Zelle gefunden
Aus aller Welt

Nach den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade stirbt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von Suizid im Gefängnis aus.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zwang zur Nierenspende: Verdächtige in Rumänien festgenommen
Aus aller Welt

Zwei Rumänen sollen einen Mann in München zur Nierenspende gezwungen und festgehalten haben. Jetzt wurden sie in Rumänien festgenommen. Der Haftbefehl kam aus Deutschland.

weiterlesen...
Verdächtiger von Stade tot in Zelle gefunden
Aus aller Welt

Nach den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade stirbt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von Suizid im Gefängnis aus.

weiterlesen...