9. Juni 2026 / Aus aller Welt

Lehrer fordern: Plattformen müssen Kinder besser schützen

Schüler sollen sich gegen Social-Media-Sog und Push-Nachrichten behaupten? Selbst für Erwachsene sei das schwer, sagt der Philologenverband. Plattformen müssten deshalb stärker reguliert werden.

Der Philologenverband fordert bundesweit verbindliche Regeln für private Smartphones während der Schulzeit. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 9. Juni 2026 um 11:46 Uhr

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert vor den erwarteten Empfehlungen der Expertenkommission «Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt» strengere Regeln für soziale Medien und Smartphones. Der Verband, der unter anderem Lehrkräfte in verschiedenen Bildungseinrichtungen vertritt, sieht dabei vor allem die Plattformanbieter in der Verantwortung. «Wenn Kindern und Jugendlichen die Selbstdisziplin zugeschrieben wird, die selbst vielen Erwachsenen fehlt, dann entlastet das genau jene Plattformanbieter, die in die Pflicht genommen werden müssen», sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.

Für Lehrkräfte sei problematische Handynutzung längst Alltag, oft schon vor Unterrichtsbeginn, argumentiert der Verband. Sie erlebten täglich, wie Schülerinnen und Schüler gegen Chatnachrichten, Push-Mitteilungen und Videos in Endlosschleifen kämpften und sich dem oft kaum entziehen könnten, sagte Lin-Klitzing. Studien zeigten, dass inzwischen 60 Prozent ein suchtähnliches Nutzungsverhalten aufwiesen. «Wer Kinder schützen will, muss vor allem die regulieren, die von ihrer Aufmerksamkeit profitieren.» 

Verband: Bildung und Schutz nicht gegeneinander ausspielen

Der Verband fordert unter anderem, suchtfördernde Mechanismen für Minderjährige abzuschalten, Altersgrenzen wirksam durchzusetzen und Anbieter stärker in die Haftung zu nehmen. Zudem spricht er sich für bundesweit einheitliche Regeln für private Smartphones an Schulen aus. Als Vorbild nennt er Schleswig-Holstein, wo für die Klassenstufen 1 bis 9 weitgehende Einschränkungen gelten. «Andere Länder sollten diesen Schritt nicht länger aufschieben», so der Verband. 

Zugleich warnt der Verband davor, Schutz und Bildung gegeneinander auszuspielen. Neben klaren Regeln brauche es mehr Medienbildung in allen Schulstufen sowie ein eigenständiges Pflichtfach Informatik. 

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission «Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt» soll bis zum Sommer Vorschläge unter anderem zu Altersgrenzen für soziale Netzwerke und Handyregeln an Schulen vorlegen.


Bildnachweis: © Jens Kalaene/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

US-Medien: Schreiben behauptet Tod vermisster Nancy Guthrie
Aus aller Welt

Das Verschwinden der Mutter von US-Moderatorin Savannah Guthrie sorgte in den USA Anfang des Jahres für großes Aufsehen. Nun berichten US-Medien über eine mutmaßliche Nachricht der Entführer.

weiterlesen...
45-Jähriger in U-Haft - Trauer nach Tat in Stade
Aus aller Welt

Ein Termin zum Sorgerecht für ein Baby endet tödlich. Sechs Menschen, die vermitteln und helfen wollten, sterben. Am Tag danach kommt der 45-Jährige in U-Haft.

weiterlesen...
Gewalt in Stade: «Was die gesehen haben, hinterlässt Spuren»
Aus aller Welt

Sechs Tote, mehrere Verletzte: Ein Gewaltverbrechen erschüttert eine Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade. Die Behörden teilen erste Erkenntnisse.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Studie: Bis zu 90 Unfalltote weniger bei Tempolimit
Aus aller Welt

Sollte die Geschwindigkeit auf Autobahnen begrenzt werden? Eine neue Studie beschäftigt sich mit dieser Frage und kommt zu einer eindeutigen Antwort.

weiterlesen...
Zwei Tote nach Schüssen bei Salsa-Festival in Toronto
Aus aller Welt

Menschen feiern bei einem lateinamerikanischen Festival ausgelassen auf der Straße. Plötzlich fallen Schüssen. Zwei Menschen sind tot und der oder die Täter auf der Flucht.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Studie: Bis zu 90 Unfalltote weniger bei Tempolimit
Aus aller Welt

Sollte die Geschwindigkeit auf Autobahnen begrenzt werden? Eine neue Studie beschäftigt sich mit dieser Frage und kommt zu einer eindeutigen Antwort.

weiterlesen...
Zwei Tote nach Schüssen bei Salsa-Festival in Toronto
Aus aller Welt

Menschen feiern bei einem lateinamerikanischen Festival ausgelassen auf der Straße. Plötzlich fallen Schüssen. Zwei Menschen sind tot und der oder die Täter auf der Flucht.

weiterlesen...