14. Juni 2024 / Aus aller Welt

Letztes Schiff von Polarforscher Shackleton entdeckt

Die «Quest» sank vor mehr als 60 Jahren, nun haben Forscher das Wrack entdeckt. Das Schicksal Shackletons ist auf tragische Weise mit dem Schiff verbunden.

Sir Ernest Shackleton im Januar 1921.
Veröffentlicht am 14. Juni 2024 um 16:06 Uhr

Wissenschaftler haben vor der Ostküste Kanadas das Wrack des letzten Expeditionsschiffs des britischen Polarforschers Ernest Shackleton (1874-1922) gefunden. Die «Quest» sei in rund 390 Metern Tiefe vor der Labrador-Halbinsel entdeckt worden, teilte die Royal Canadian Geographical Society (RCGS) am Mittwoch (Ortszeit) mit. Auf dem Schiff war Shackleton 1922 im Alter von 47 Jahren an einem Herzanfall gestorben. Es war danach noch mehrere Jahrzehnte im Einsatz und sank schließlich 1962. 

Das in Norwegen gebaute Dampfschiff mit Schoner-Takelung sei weitgehend intakt und stehe aufrecht auf dem Meeresgrund, sagte Expeditionsleiter John Geiger. Es sei unter anderem mithilfe von Sonargeräten geortet worden. Anhand der Maße und der Form gebe es keine Zweifel, dass es sich um die «Quest» handele. «Sie zu finden, ist eines der letzten Kapitel in der außergewöhnlichen Geschichte Sir Ernest Shackletons», ergänzte er. Die «traurige Ironie» sei, dass sein eigener Tod der einzige Todesfall auf den Schiffen unter seinem Kommando gewesen sei. 

«Ich habe lange auf diesen Tag gehofft und bin allen dankbar, die diese unglaubliche Entdeckung gemacht haben», sagte Shackletons Enkelin Alexandra, die Co-Schirmherrin der Expedition. Diese war sechs Jahre lang vorbereitet worden. Nach fünf Tagen auf See war die Suche dann den Angaben zufolge erfolgreich. 

Shackleton leitete mehrere Expeditionen

Der in Irland geborene Shackleton gehörte zu den bedeutendsten Polarforschern seiner Zeit. Mehrere Expeditionen führten ihn Richtung Südpol mit dem späteren Ziel, die Antarktis zu durchqueren. Auf dem Weg zu seiner vierten Expedition war er an Bord der vor der Insel Südgeorgien ankernden «Quest» gestorben. Zunächst hatte er damals eine kanadische Arktisexpedition machen wollen, musste diese Pläne aber aufgeben, weil die kanadische Regierung ihre Unterstützung zurückzog.

«Quest» sank 1962

Die «Quest» war nach Angaben der Royal Canadian Geographical Society seinerzeit an ein norwegisches Unternehmen verkauft worden und nahm an weiteren Expeditionen sowie Rettungsmissionen teil. Im Mai 1962 sei sie vor Neufundland und Labrador von Eis beschädigt worden und gesunken. Die norwegische Crew habe überlebt. 

In einer zweiten Phase der Expedition wollen die Wissenschaftler im Sommer versuchen, sich mit einem Tauchroboter dem Wrack zu nähern und Aufnahmen zu machen. Im Jahr 2022 war das Wrack von Shackletons Expeditionsschiff «Endurance» im antarktischen Weddellmeer gefunden worden. 


Bildnachweis: © Uncredited/AP
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