22. Juli 2024 / Aus aller Welt

«Los geht's!»: Elefantenbullen rufen ihre Kumpel

In Familiengruppen haben bei Elefanten die Weibchen das Sagen. Sind die Bullen aber unter sich, müssen sie sich selbst koordinieren. Dann grummeln sie miteinander.

Drei Elefantenmännchen begrüßen sich am Mushara-Wasserloch in Namibia.
Veröffentlicht am 22. Juli 2024 um 13:03 Uhr

«Grrrrrrrrrrrrrr Grrrrrrrr»: Menschen hören einfach ein tiefes langgezogenes Grollen, männliche Elefanten aber verstehen in etwa Folgendes: «Hey Jungs, lasst uns weiterziehen!» Diese Losgeh-Rufe konnte ein Forschungsteam in den USA nun zum ersten Mal bei Elefantenbullen dokumentieren.

Bisher dachten Biologen, dass nur weibliche Elefanten in Familiengruppen diese Rufe ausstoßen. Doch in den vergangenen Jahren gelangen im Etosha Nationalpark in Namibia an einem Wasserloch zahlreiche Aufnahmen, auf denen Elefantenbullen in eng verbundenen männlichen Gruppen ein ganz ähnliches Grollen verlauten lassen.

Jeder Bulle wartet, bis der Vorgänger fast fertig ist

Wie die Forschenden im Fachblatt «PeerJ» weiter schreiben, bleibt es in den Gruppen nicht bei einem Ruf. Mehrere andere Bullen der Gruppe antworten mit ähnlichem, extrem niederfrequentem Grollen. Dabei warten sie jeweils, bis der Vorgänger fast fertig ist mit seiner Sequenz. Das Ganze läuft der Studie zufolge sehr ritualisiert ab. Schließlich ziehen sie zusammen los und verlassen das Wasserloch.

«Wir waren erstaunt, dass männliche Elefanten, die in der Regel nur lose soziale Bindungen eingehen, ihre Stimmen so ausgeklügelt koordinieren, um sich in Bewegung zu setzen», erklärt Erstautorin Caitlin O’Connell-Rodwell, die unter anderem an der Stanford University und der Harvard Medical School forscht. Die Kommunikation der Bullen sei komplexer als bisher angenommen, erklärte die Wissenschaftlerin.

Elefanten-Kommunikation aus 13 Jahren Forschung

O’Connell-Rodwell, die seit 30 Jahren Elefanten in der Wildnis erforscht, zeichnete dieses Losgeh-Grollen erstmals im Jahr 2004 auf. Zwischen 2005 und 2017 wurden weitere Aufnahmen am Mushara-Wasserloch gesammelt - darunter waren nicht nur für Menschen hörbare Töne, sondern auch sehr tiefe im Infraschallbereich.

Die Forschenden denken, dass die männlichen Elefanten diese Art der Verständigung von älteren weiblichen Elefanten lernen. «Sie sind in einer Familie aufgewachsen, in der alle Anführerinnen dieses Ritual nutzen», meint O'Connell-Rodwell. «Wir glauben, dass sie, wenn sie erwachsen werden und ihre eigenen Gruppen bilden, sich anpassen und diese erlernten Verhaltensweisen nutzen, um sich mit anderen Männchen zu koordinieren.»

Ältere Bullen agieren als Mentoren

Den ersten Losgeh-Ruf stoße der sozialste Bulle aus, der teilweise auch der dominante Bulle der Gruppe sei. Diese Tiere spielten eine wichtige Rolle in der Gruppe, weil sie den Zusammenhalt und die Stabilität förderten. Sie seien oft eine Art Mentor für jüngere Bullen, sagt O'Connell-Rodwell. «Die älteren Männer sind bereit, sie unter ihre Fittiche zu nehmen, sie anzuleiten, Ressourcen mit ihnen zu teilen und an ihren emotionalen Höhen und Tiefen teilzuhaben.»


Bildnachweis: © Caitlin O’Connell-Rodwell/Tim Rodwell/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
Die Kinder der Flut: «Dieses Wasser und die ganzen Schreie»
Aus aller Welt

Eine Nacht voller Angst, danach zerstörte Zuhause und Spielplätze: Kinder aus dem Ahrtal erzählen, wie die Flut ihr Leben bis heute prägt.

weiterlesen...
US-Medien: Schreiben behauptet Tod vermisster Nancy Guthrie
Aus aller Welt

Das Verschwinden der Mutter von US-Moderatorin Savannah Guthrie sorgte in den USA Anfang des Jahres für großes Aufsehen. Nun berichten US-Medien über eine mutmaßliche Nachricht der Entführer.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Bericht: Hangrutsch löste Zugunglück von Riedlingen aus
Aus aller Welt

Drei Menschen sterben und Dutzende werden verletzt, als im vergangenen Sommer ein Regionalzug in Baden-Württemberg entgleist. Nun gibt es einen offiziellen Untersuchungsbericht.

weiterlesen...
Polizeigewerkschaft: Bahnhöfe sind Kriminalitäts-Hotspots
Aus aller Welt

Die Gewerkschaft der Polizei sieht die DB Sicherheit primär zuständig, um das Alkoholverbot an Bahnhöfen durchzusetzen. Entscheidend sei die konsequente Umsetzung.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Bericht: Hangrutsch löste Zugunglück von Riedlingen aus
Aus aller Welt

Drei Menschen sterben und Dutzende werden verletzt, als im vergangenen Sommer ein Regionalzug in Baden-Württemberg entgleist. Nun gibt es einen offiziellen Untersuchungsbericht.

weiterlesen...
Polizeigewerkschaft: Bahnhöfe sind Kriminalitäts-Hotspots
Aus aller Welt

Die Gewerkschaft der Polizei sieht die DB Sicherheit primär zuständig, um das Alkoholverbot an Bahnhöfen durchzusetzen. Entscheidend sei die konsequente Umsetzung.

weiterlesen...