Vor einer steigenden Umweltbelastung durch Krankenhäuser hat der Bonner Mediziner Dieter Christian Wirtz gewarnt. «Krankenhäuser produzieren einen Mülltsunami». Dies sei ökologisch nicht vertretbar, sagte Wirtz anlässlich des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin, dem er als Präsident vorsitzt. Zugleich mahnt Wirtz ein Umdenken beim Energieverbrauch an, um das Emissionsaufkommen im Gesundheitssektor zu senken. Gesetzliche Regelungen, wie Implantate und Instrumente anzuwenden seien, müssten den ökologischen Herausforderungen angepasst werden. «Krankenhäuser müssen sich zur Energie- und Abfallminimierung mehr in Richtung Ressourcenreduktion, Wiederverwendung und mehr Recycling orientieren. Auch die Politik ist hier gefragt: Überregulierte Vorschriften müssen abgeschafft werden», so Wirtz. Wegwerfinstrumente, die problemlos wieder aufbereitet werden könnten, aber vernichtet werden, weil es so vorgeschrieben ist, ärgern Wirtz: «Wenn Sie zum Zahnarzt gehen, wirft er den Bohrer auch nicht nach jedem Patienten in den Sondermüll». Eine Operation könne mehr Müll verursachen als eine vierköpfige Familie in einer Woche. «Bei einer aufwändigen orthopädischen Operation fallen bis zu 100 Kilogramm Müll an», so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Auf Stationen und Ambulanzen, aber auch in Arztpraxen und Pflegeheimen fallen Expertenschätzungen zufolge jährlich mehrere Tausend Tonnen Wegwerf-Edelstahl an, weil es kostengünstiger scheint, Instrumente wie Scheren, Pinzetten oder Klemmen billig einzukaufen statt zu sterilisieren. Kritisiert wurde dies bereits in der Vergangenheit unter anderem vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Der Wasserverbrauch im Krankenhaus liege bei bis zu 1000 Litern pro Tag pro Patient, kritisiert Wirtz weiter. Er schlägt vor, Wasserhähne mit Ellenbogenmechanismus durch sensorgesteuerte Lösungen zu ersetzen. Mit diesen lasse sich pro Patient und Tag Wasser in der Größenordnung einer Wasserkiste einsparen. Auch der Energieverbrauch sei sehr hoch. Krankenhäuser stoßen demnach innerhalb des Gesundheitswesens mit 24 Prozent die zweitmeisten Treibhausgase aus, nur die Herstellung der Medikamente liege mit 25 Prozent davor. «Wenn wir in Deutschland die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir auch in den Krankenhäusern umweltbewusster handeln», betonte Wirtz.
Bildnachweis: © Andreas Arnold/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Mediziner warnt vor «Mülltsunami» in Krankenhäusern
Sterilisieren - oder einfach wegwerfen? Bei einer Operation könne schon mal so viel Müll entstehen wie bei einer vierköpfigen Familie in der Woche. Ein Mediziner mahnt zum Umdenken.
Meistgelesene Artikel
Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...
- 16. Juli 2026
Drei Tote bei Sturz von Harzturm
Drei Menschen sterben nach einem Sturz von einem 65 Meter hohen Aussichtsturm im Harz. Was bislang bekannt ist.
- 18. Juli 2026
Drei Stunden Stau am Schweizer Gotthard-Tunnel
Blechlawinen vor dem Gotthard-Tunnel, Proteste in Amsteg: Wie Urlauber und Anwohner unter dem Mega-Stau leiden – und welche Alternativen es gibt.
Neueste Artikel
- 15. August 2026
Hurrikan bringt Starkregen und Stromausfälle nach Hawaii
«Lala» ist zum Hurrikan geworden und zieht dicht an Big Island vorbei. Tausende sind ohne Strom, Straßen überflutet. Auch Maui und Oahu müssen sich auf Sturm und Starkregen einstellen.
- 15. August 2026
Brand im Hohen Venn: Monschau bereitet Evakuierungen vor
Monschau bereitet sich auf die mögliche Evakuierung wegen eines Waldbrandes auf belgischer Seite vor. Die deutsche Stadt in Grenznähe plant Notunterkünfte. Im Hürtgenwald entspannt sich die Lage.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 15. August 2026
Hurrikan bringt Starkregen und Stromausfälle nach Hawaii
«Lala» ist zum Hurrikan geworden und zieht dicht an Big Island vorbei. Tausende sind ohne Strom, Straßen überflutet. Auch Maui und Oahu müssen sich auf Sturm und Starkregen einstellen.
- 15. August 2026
Brand im Hohen Venn: Monschau bereitet Evakuierungen vor
Monschau bereitet sich auf die mögliche Evakuierung wegen eines Waldbrandes auf belgischer Seite vor. Die deutsche Stadt in Grenznähe plant Notunterkünfte. Im Hürtgenwald entspannt sich die Lage.

