21. Oktober 2022 / Aus aller Welt

Forderung: Antarktis-Kommission soll Meere besser schützen

Seit Jahren ringt die Antarktis-Kommission um neue Schutzgebiete im Südpolarmeer - aber der nötige Konsens scheitert immer wieder am Widerstand von zwei Ländern. Gibt es in diesem Jahr den Durchbruch?

Umweltschützer aus aller Welt fordern vor Beginn der 41. Konferenz der Antarktis-Kommission CCAMLR dringend die Ausweisung neuer Schutzgebiete rund um den Südkontinent.
Veröffentlicht am 21. Oktober 2022 um 15:03 Uhr

Umweltschützer aus aller Welt haben vor dem Beginn der 41. Konferenz der Antarktis-Kommission CCAMLR dringend die Ausweisung neuer Schutzgebiete rund um den Südkontinent sowie strengere Auflagen für die Krillfischerei gefordert.

Konkrete Maßnahmen seien notwendig, um dauerhafte Schäden für das gesamte Ökosystem der Antarktis noch abzuwenden, sagten Experten der Deutschen Presse-Agentur. Heftig diskutiert wird seit Jahren die Einrichtung eines Netzwerks an Meeresschutzgebieten (MPAs) - bislang ohne Erfolg.

Speziell geht es um ein fast vier Millionen Quadratkilometer großes Gebiet in der Ostantarktis, der Antarktischen Halbinsel und im artenreichen Weddellmeer. Obwohl sich 25 der 27 Mitglieder für das Projekt aussprechen, gab es wegen des Widerstands von China und Russland bislang nie einen Durchbruch. Alle Entscheidungen der CCAMLR müssen einstimmig getroffen werden.

«Es steht zu viel auf dem Spiel»

Die zwölftägige Konferenz beginnt am Montag im australischen Hobart. Das «Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis» (CCAMLR) wurde 1980 ins Leben gerufen. Der Kommission gehören jetzt 26 Staaten und die EU an, nachdem Ecuador gerade als jüngstes Mitglied aufgenommen worden ist.

«Viele CCAMLR-Mitglieder sind zunehmend frustriert darüber, dass der Konsens dazu genutzt wird, Vorschläge zu blockieren, statt in den Diskussionen guten Willen und Kompromissbereitschaft zu zeigen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten», erklärte Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition. Es müssten Wege aus dieser Sackgasse gefunden werden. «Ein Scheitern der CCAMLR kommt nicht in Frage. Es steht zu viel auf dem Spiel.»

Meeresschutzgebiete in der Antarktis

Allein das antarktische Weddellmeer ist sechs Mal so groß wie Deutschland und Habitat und Rückzugsgebiet vieler Arten, die sich auf einen eisigen Lebensraum spezialisiert haben - so etwa Seehechte, Krill und Kaiserpinguine. Seit dem Jahr 2016 wird seine Ausweisung als Schutzgebiet regelmäßig beantragt.

Am Freitag sprach sich auch der Deutsche Bundestag einstimmig für die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets im Weddellmeer aus. Das Parlament stimmte dafür, dass sich die Bundesregierung bei der Antarktis-Konferenz für die Schaffung einsetzt.

Bis 2030 müssten mindestens 30 Prozent der Weltmeere geschützt werden, um die Folgen der Klimakrise noch abzuwenden und die Artenvielfalt zu erhalten, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. «Die Errichtung dreier großer Meeresschutzgebiete in der Antarktis noch in diesem Jahr ist genau die Art von Maßnahmen, die es jetzt weltweit braucht, wenn wir dieses Ziel noch erreichen wollen.»

Schutz von winzigen Krebstieren

Weiteres wichtiges Thema ist die Krillfischerei. Die winzigen Krebstiere werden gefangen, um daraus unter anderem Öl und Fischfutter zu machen.

«Der Krill spielt, obwohl klein, eine außerordentlich große Rolle für das Funktionieren und die Gesundheit der Antarktis», betonte Andrea Kavanagh, Leiterin der Abteilung Antarktis und Südpolarmeer der «Pew Bertarelli Ocean Legacy». Sämtliche in der Antarktis lebenden Arten seien für ihr Überleben entweder direkt auf Krill angewiesen oder ernährten sich von krillfressenden Arten. Die zunehmende Konzentration der Krillfischerei in küstennahen Gebieten stelle eine große Gefahr dar. Die CCAMLR müsse Maßnahmen beschließen, damit die Fischerei nicht mit den Nahrungsgründen von Pinguinen und Walen konkurriere.


Bildnachweis: © Liu Shiping/XinHua/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Drei Stunden Stau am Schweizer Gotthard-Tunnel
Aus aller Welt

Blechlawinen vor dem Gotthard-Tunnel, Proteste in Amsteg: Wie Urlauber und Anwohner unter dem Mega-Stau leiden – und welche Alternativen es gibt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Mutter wollte Söhne anzünden - Entlassung aus Klinik
Aus aller Welt

Spiritus, Feuerzeuge und plötzlich Panik im Supermarkt: Eine Mutter hat versucht, ihre beiden Söhne zu ermorden. Daran hat das Gericht keine Zweifel - und entscheidet doch zugunsten der Angeklagten.

weiterlesen...
Meta sperrt in Australien mehr als 750.000 Jugend-Accounts
Aus aller Welt

Seit Dezember dürfen unter 16-Jährige in Australien keine Konten bei vielen sozialen Netzwerken mehr haben. Meta zieht nun Bilanz: 750.000 Konten wurden gesperrt – doch die Umsetzung bleibt schwierig.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mutter wollte Söhne anzünden - Entlassung aus Klinik
Aus aller Welt

Spiritus, Feuerzeuge und plötzlich Panik im Supermarkt: Eine Mutter hat versucht, ihre beiden Söhne zu ermorden. Daran hat das Gericht keine Zweifel - und entscheidet doch zugunsten der Angeklagten.

weiterlesen...
Meta sperrt in Australien mehr als 750.000 Jugend-Accounts
Aus aller Welt

Seit Dezember dürfen unter 16-Jährige in Australien keine Konten bei vielen sozialen Netzwerken mehr haben. Meta zieht nun Bilanz: 750.000 Konten wurden gesperrt – doch die Umsetzung bleibt schwierig.

weiterlesen...