Verloren gegangene Fischernetze sollen künftig mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz besser in den Ozeanen aufgespürt werden können. Die neue Technik könne Sonar-Aufnahmen vom Meeresboden automatisch auswerten und Stellen markieren, an denen sich vermutlich solche Geisternetze befänden, teilte die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland mit. Solche Netze gefährden Meerestiere und -pflanzen. Der WWF arbeitet dafür mit den Unternehmen Accenture und Microsoft zusammen. Gemeinsam starteten sie die KI-gestützte Online-Plattform GhostNetZero.ai, über die Forschungsinstitute, Behörden oder Windkraftfirmen geeignete Sonardaten spenden können. Diese Aufnahmen würden ohnehin etwa zur Sicherung des Schiffsverkehrs oder für Windkraftanlagen erhoben. Als Geisternetze werden alle Gerätschaften bezeichnet, die von Fischereischiffen aus ins Meer gelangen. Meist sind das keine vollständigen Netze, die hinterher im Meer wabern, sondern nur Reste von Netzen sowie Leinen, Taue oder Köderhaken. Auch Reusen und andere Fangkäfige werden dazugerechnet. Australische Forschende berechneten vor wenigen Jahren, dass etwa zwei Prozent der weltweit verwendeten Fischereiausrüstung jährlich im Meer landen, also Zehntausende Quadratkilometer Stellnetze und Ringwadennetze, dazu Hunderttausende Kilometer Langleinen. Der WWF spricht von 50.000 Tonnen Fischernetzen. Sie würden zur «tödlichen Falle für Fische, Seevögel, Schildkröten oder Meeressäuger». Auch Korallen könnten dadurch beschädigt werden. Über die Zeit zersetzten sich die Fischereigeräte in kleinere Stücke und Fasern. Solche verlorenen Ausrüstungsmaterialien machten einen erheblichen Teil des Plastikmülls im Ozean aus, erklärte Gabriele Dederer, Forschungstaucherin und Projektleiterin Geisternetze des WWF Deutschland. «Aber sie sind unter der Wasseroberfläche unsichtbar und ihre Ortung ist aufwendig.» Der WWF hat bisher mit eigenen Sonardaten 26 Tonnen Geisternetze aus der Ostsee geborgen. Die nun mit KI gewonnenen Informationen sollen bei dem Projekt, das zusammen mit örtlichen Fischern durchgeführt wird, ein präziseres Arbeiten ermöglichen. «Für andere Länder wollen wir beispielgebend sein», sagt Dederer. Es gebe schon viel Techniktransfer und gemeinsame Projekte. Die Kombination aus Sonardaten und KI-Erkennung könne die Suche, die vorher händisch erfolgte, substanziell verbessern, meint die Projektleiterin. «Überall auf der Welt wird der Meeresboden kartiert, es existieren gewaltige Datenmengen.» Würden diese gezielt ausgewertet, könne viel mehr aufgespürt werden. Die Treffergenauigkeit der KI liege bereits bei 90 Prozent. Nun würde sie weiter trainiert, um etwa Unterseekabel von Netzen zu unterscheiden.Netzteile, Leinen, Taue, Haken, Reusen
Treffergenauigkeit schon bei 90 Prozent
Bildnachweis: © Melissa Erichsen/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Mit Künstlicher Intelligenz besser nach Geisternetzen suchen
Schildkröten und Krebse können sich in alten Netzen verfangen, Korallen dadurch Schaden nehmen. Solche Netzreste und Taue aufzuspüren, ist schwierig. Nun soll modernste Technik helfen.
Meistgelesene Artikel
- 27. August 2026
Goldener Kamm in Gütersloh
Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...
- 17. August 2026
Kampf gegen Feuer in Belgien - Weiter Bangen auch in NRW
Das Feuer aus Belgien rückt zwar nicht weiter Richtung Monschau in der Eifel vor. Von Normalität ist man aber sehr weit weg, das Bangen bleibt. Rufe und Forderungen aus und an die Politik werden laut.
- 16. August 2026
Brand im Hohen Venn: Evakuierung bei Monschau angeordnet
Wegen des Waldbrandes im Hohen Venn müssen Anwohner in Deutschland ihre Häuser verlassen. Eine Notunterkunft ist eingerichtet.
Neueste Artikel
- 16. September 2026
Malaria bei Anwohnern von Flughafen - wie kam es dazu?
In Frankfurt sind erneut Menschen an der tropischen Variante von Malaria erkrankt – diesmal mehrere Kilometer vom Flughafen entfernt. Was zu den Hintergründen der nun insgesamt acht Fälle bekannt ist.
- 16. September 2026
KI-Kameras und neue Konzepte: Wiesn-Sicherheit verstärkt
Ein überfülltes Festgelände, Panik - und ganz viel Glück. Das Oktoberfest ist im vergangenen Jahr womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das soll nicht noch mal passieren.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 16. September 2026
Malaria bei Anwohnern von Flughafen - wie kam es dazu?
In Frankfurt sind erneut Menschen an der tropischen Variante von Malaria erkrankt – diesmal mehrere Kilometer vom Flughafen entfernt. Was zu den Hintergründen der nun insgesamt acht Fälle bekannt ist.
- 16. September 2026
KI-Kameras und neue Konzepte: Wiesn-Sicherheit verstärkt
Ein überfülltes Festgelände, Panik - und ganz viel Glück. Das Oktoberfest ist im vergangenen Jahr womöglich knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Das soll nicht noch mal passieren.

