30. März 2026 / Aus aller Welt

Mit Mini-Kamera zum Führerschein: Betrug auf Rekordniveau

Betrugsversuche sind in Zeiten wachsender Technik keine Seltenheit – auch nicht bei der Führerscheinprüfung. Der Tüv-Verband fordert strengere Maßnahmen gegen organisierten Betrug.

In mehr als jedem dritten Fall kamen Gadgets wie etwa Mini-Kameras oder kleine Ohrhörer zum Einsatz. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 30. März 2026 um 10:33 Uhr

Versteckte Ohrhörer, Mini-Kameras oder sogar Doppelgänger: Bei der Führerscheinprüfung wird immer raffinierter betrogen. Mehr als 4.200 Täuschungsversuche (4.239) sind im vergangenen Jahr bei theoretischen Prüfungen registriert worden. Das geht aus den Daten des Tüv-Verbands hervor. Damit bleibt der Prüfungsbetrug nach starken Zuwächsen in den Vorjahren ein Problem (2023: 3.759 Fälle, 2024: 4.198).

«Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich der Prüfungsbetrug nach einem starken Anstieg in den Vorjahren auf einem hohen Niveau stabilisiert», sagte Fani Zaneta vom Tüv-Verband. Zugleich gebe es vermutlich ein großes Dunkelfeld, da nur ein Teil der Täuschungen entdeckt werde.

Hightech trifft auf alte Schule

Auffällig ist der Einsatz technischer Hilfsmittel: In mehr als jedem dritten Fall (36 Prozent) kamen etwa Mini-Kameras oder kaum sichtbare Ohrhörer zum Einsatz. Auch Doppelgänger sind keine Seltenheit: In weiteren Fällen legten sogenannte Stellvertreter die Prüfung ab. Insgesamt sei inzwischen gut jeder zweite Betrugsversuch (52 Prozent) professionell organisiert, so der Tüv-Verband.

Oftmals seien weitere Personen involviert, die den Prüfling «technisch unterstützen, aus der Ferne Lösungen übermitteln oder sich als Fahrschüler ausgeben», so Zaneta. Dafür sei auch entsprechendes technisches Know-how notwendig, um bestimmte Betrugsmaschen durchführen zu können.

In 44 Prozent der Fälle wurde den Angaben zufolge mit dem klassischen Spickzettel geschummelt. Besonders häufig betroffen ist vor allem die Pkw-Prüfung (4.052 Fälle).

Organisierter Betrug kein «Kavaliersdelikt»

Die meisten Täuschungsversuche wurden in Nordrhein-Westfalen registriert (1.378), gefolgt von Berlin (497) und Bayern (449). Die Hauptstadt verzeichnet im Bundesländervergleich den stärksten Anstieg - ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent. In kleineren Bundesländern lagen die Zahlen deutlich niedriger.

«Organisierter Prüfungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt», warnte der Tüv-Verband. Wer sich den Führerschein erschleiche, dem fehlten wichtige Kenntnisse im Straßenverkehr: «Wer bei der theoretischen Fahrprüfung täuscht, bringt sich und andere in Gefahr.» Der Verband fordert strengere Maßnahmen gegen organisierten Betrug.


Bildnachweis: © Sebastian Gollnow/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Kampf gegen Feuer in Belgien - Weiter Bangen auch in NRW
Aus aller Welt

Das Feuer aus Belgien rückt zwar nicht weiter Richtung Monschau in der Eifel vor. Von Normalität ist man aber sehr weit weg, das Bangen bleibt. Rufe und Forderungen aus und an die Politik werden laut.

weiterlesen...
Brand im Hohen Venn: Evakuierung bei Monschau angeordnet
Aus aller Welt

Wegen des Waldbrandes im Hohen Venn müssen Anwohner in Deutschland ihre Häuser verlassen. Eine Notunterkunft ist eingerichtet.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Bummelaktion nach Unfall: Polens Fernzüge verspätet
Aus aller Welt

Als Reaktion auf ein Zugunglück protestieren Polens Lokführer für mehr Sicherheit. Sie schleichen mit ihren Zügen über jeden Bahnübergang mit 20 km/h - und wollen so auf ein Problem aufmerksam machen.

weiterlesen...
Busunfall bei Baustelle: Fünf Tote in der Schweiz
Aus aller Welt

Ein Reisebus voller Urlauber verunglückt nahe dem Schweizer Nationalpark. Was die Polizei über den dramatischen Unfall und den Rettungseinsatz berichtet.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Bummelaktion nach Unfall: Polens Fernzüge verspätet
Aus aller Welt

Als Reaktion auf ein Zugunglück protestieren Polens Lokführer für mehr Sicherheit. Sie schleichen mit ihren Zügen über jeden Bahnübergang mit 20 km/h - und wollen so auf ein Problem aufmerksam machen.

weiterlesen...
Busunfall bei Baustelle: Fünf Tote in der Schweiz
Aus aller Welt

Ein Reisebus voller Urlauber verunglückt nahe dem Schweizer Nationalpark. Was die Polizei über den dramatischen Unfall und den Rettungseinsatz berichtet.

weiterlesen...