In Italien sorgt eine neue Helmpflicht für Elektro-Tretroller mächtig für Ärger. In Großstädten wie Rom, Florenz und Mailand wurden mit Beginn der Regelung am Wochenende die ersten Bußgelder verhängt. Wer auf dem E-Scooter ohne Helm angehalten wird, muss 50 Euro zahlen. Viele Fahrer beklagten sich, darüber nicht informiert worden zu sein, insbesondere ausländische Touristen. Die Verleiher sorgen sich um ihr Geschäftsmodell. Die Helmpflicht gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, mit denen die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die hohe Zahl von mehr als 3.000 Verkehrstoten pro Jahr senken will. Dazu wurde auch das Bußgeld fürs Telefonieren am Steuer drastisch erhöht, auf 250 Euro Minimum. E-Scooter, die vor allem in touristischen Zielen verbreitet sind, müssen jetzt auch ein Nummernschild haben. Bisher gab es nur für Minderjährige eine Helmpflicht. In den Großstädten hielt die Polizei am Wochenende viele E-Tretroller-Fahrer an, die ohne Kopfschutz unterwegs waren. Das führte immer wieder zu längeren Diskussionen. Zudem waren die Telefonleitungen von E-Scooter-Vermietern wie Lime und Dott dauerbesetzt. Italiens Allianz für nachhaltige Mobilität, in der sowohl Verbraucher als auch Unternehmen zusammengeschlossen sind, sprach von «totalem Chaos». Insbesondere bei Ausländern herrscht große Verunsicherung. Die US-Amerikanerin Elizabeth Stills sagte der dpa: «Woher soll ich das wissen? Vielleicht hätte ich in Deutschland damit gerechnet, dass ich einen Helm aufsetzen muss. Aber doch nicht in Italien.» Der deutsche Rom-Besucher Julian Dost aus Köln sagte: «Natürlich ist es vernünftig, einen Helm aufzusetzen. Aber wo soll ich den herbekommen?» In den meisten Fällen drückte die Polizei am Wochenende noch ein Auge zu. Einige Vermieter haben es bereits für unmöglich erklärt, die Roller mit Helm auszustatten. Der Dott-Manager Andrea Giaretta sagte: «Wo sollen wir den anbringen?» Er hielt der Regierung vor, mit «völlig ideologischen Vorschriften» die Branche massiv zu gefährden. In Italien gibt es mehr als 50.000 Elektro-Tretroller. Vergangenes Jahr kamen 21 Menschen bei Unfällen damit ums Leben. Verkehrsminister Matteo Salvini sieht in den neuen Regelungen einen Kampf gegen den «Dschungel auf den Straßen». Auch in anderen Ländern sorgen E-Scooter immer wieder für Ärger, wenn Fahrer rücksichtslos auf Bürgersteigen unterwegs sind. Zudem werden die Roller häufig nicht ordentlich geparkt, sondern einfach irgendwo abgestellt oder auf dem Boden liegen gelassen. In Großbritannien und den Niederlanden sind Elektro-Tretroller grundsätzlich nicht erlaubt, in Paris und Madrid ist der Verleih sogar verboten. In Deutschland gibt es für Elektro-Tretroller keine Helmpflicht, weil sie nicht schneller als Tempo 20 fahren. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums soll sich daran auch nichts ändern. Eine Sprecherin sagte: «Wir wollen keine Vorschriften und daher auch keine Helmpflicht.» Man braucht auch keinen Führerschein, muss aber mindestens 14 Jahre alt sein. In Deutschland gab es vergangenes Jahr annähernd 10.000 Unfälle mit E-Scootern, bei denen Menschen verletzt wurden. 22 Menschen starben.Verkehrs-Allianz beklagt «totales Chaos»
Regierung will gegen «Dschungel auf den Straßen» vorgehen
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Ärger um Helmpflicht für E-Scooter in Italien
Für viele sind Elektro-Tretroller praktisch, für andere eine Plage, gerade in Italiens viel besuchten Städten. Mit der neuen Helmpflicht gibt es nun auch neues Chaos. Ein Modell für Deutschland?
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