15. Juli 2022 / Aus aller Welt

Ärzte dürfen unheilbar kranken Jungen sterben lassen

Ein Junge liegt im Koma, er ist nach einem Unfall unheilbar krank. Seine Eltern hatten dem Vorhaben der Ärzte widersprochen, alle lebenserhaltenden Maßnahmen einzustellen. Nun hat der High Court entschieden.

Eine Krankenschwester arbeitet an einem Computer auf der Intensivstation eines Krankenhauses in London. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 15. Juli 2022 um 14:43 Uhr

Ärzte in Großbritannien dürfen die lebenserhaltenden Maßnahmen für einen unheilbar kranken Zwölfjährigen einstellen. Das sei im besten Interesse von Archie, entschied Richter Anthony Hayden am Freitag am Londoner Gerichtshof High Court.

Der Junge hatte sich bei einem häuslichen Unfall im April schwere Hirnverletzungen zugezogen - womöglich bei einer Mutprobe aus dem Internet. Der Zwölfjährige liegt seither im Koma. Seine Eltern hatten dem Vorhaben der Ärzte widersprochen und wollen die Entscheidung anfechten. Sie machen geltend, dass Archies Herz noch schlage.

Der Richter sagte, die medizinischen Beweise seien «überzeugend und einhellig» und zeichneten ein «düsteres Bild». «Archies Mutter hat ihn als Kämpfer beschrieben, und ich bezweifle nicht, dass er einer war», sagte Hayden. «Aber der Kampf (...) steht nicht mehr unter Archies Kontrolle. Der Schaden an seinem Gehirn hat ihm jede körperliche Autonomie genommen.»

Der Fall erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen um unheilbar kranke Kinder in Großbritannien. Der finanziell stark unter Druck stehende britische Gesundheitsdienst neigt dazu, lebenserhaltende Maßnahmen sehr viel früher zu entziehen, als das in Deutschland der Fall wäre. Zudem werden die Wünsche von Eltern und Angehörigen dabei nicht im selben Maße berücksichtigt. Was im besten Sinne des Patienten ist, entscheiden oft Richter auf Empfehlung von Medizinern.


Bildnachweis: © Victoria Jones/PA Wire/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Drei Stunden Stau am Schweizer Gotthard-Tunnel
Aus aller Welt

Blechlawinen vor dem Gotthard-Tunnel, Proteste in Amsteg: Wie Urlauber und Anwohner unter dem Mega-Stau leiden – und welche Alternativen es gibt.

weiterlesen...
 Alleinunfall in Schloß Holte-Stukenbrock unter Alkoholeinwirkung
Polizeimeldung

Gütersloh (ots) - Schloß Holte-Stukenbrock (RB) - In der Nacht von Freitag auf Samstag, gegen 00.10 Uhr befuhr eine...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Straße wegen Waldbrand geräumt - Feuer nähert sich Häusern
Aus aller Welt

20 Familien sind von der Evakuierung in Gebhardshain betroffen. 250 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, die gefährlich nahe an die Westerwald-Ortschaft herankommen.

weiterlesen...
Angst vor der Feuerfront in der Eifel
Aus aller Welt

Gleich zwei Waldbrände bedrohen Orte in der Eifel: Was Bewohner aus Monschau und Hürtgenwald zwischen Hoffnung, Zusammenhalt und Sorge um ihr Zuhause berichten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Straße wegen Waldbrand geräumt - Feuer nähert sich Häusern
Aus aller Welt

20 Familien sind von der Evakuierung in Gebhardshain betroffen. 250 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen, die gefährlich nahe an die Westerwald-Ortschaft herankommen.

weiterlesen...
Angst vor der Feuerfront in der Eifel
Aus aller Welt

Gleich zwei Waldbrände bedrohen Orte in der Eifel: Was Bewohner aus Monschau und Hürtgenwald zwischen Hoffnung, Zusammenhalt und Sorge um ihr Zuhause berichten.

weiterlesen...