18. November 2021 / Aus aller Welt

Staatsanwaltschaft sieht niedrige Beweggründe

Was könnte einen heute 31-Jährigen dazu verleitet haben, sein Auto 2020 in einen Rosenmontagszug zu lenken? Der Angeklagte schweigt.

Einsatzkräfte sichern Spuren, nachdem in Volkmarsen ein Auto in den Rosenmontagszug gefahren war.
Veröffentlicht am 18. November 2021 um 14:31 Uhr

Im Prozess um die Autofahrt in den Rosenmontagszug im nordhessischen Volkmarsen hat die Staatsanwaltschaft beantragt, den Tatvorwurf des versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen in Betracht zu ziehen.

Die Anklagevertreter argumentierten am Donnerstag am Landgericht Kassel, bei dem mutmaßlichen Täter kämen nur drei Motive in Betracht: erstens tiefgründiger Hass und Rache für die eigene desolate Lebenssituation, zweitens das Streben nach Beachtung oder drittens der schlichte Nervenkitzel.

Den Angeklagten habe «vielleicht die Aussicht gereizt, Herr über Leben und Tod zu sein». Jedes der Motive sei besonders verwerflich und verachtenswert. Eine solche Tat zu begehen, allein um Frustration abzubauen, lasse den Schluss auf eine menschenverachtende Gesinnung zu. Die Verteidigung wies die Annahme niedriger Beweggründe zurück. Da sich ihr Mandant nicht zur Tat geäußert habe, sei sie spekulativ.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 24. Februar 2020 mit einem Auto in Volkmarsen in eine Zuschauermenge gefahren zu sein. Der Mann soll den Wagen absichtlich in das Gedränge gesteuert haben. 90 Menschen - darunter Kinder - erlitten teils schwere Verletzungen. Das Motiv für die Tat ist bislang völlig unklar. Der Angeklagte äußerte sich seit seiner Festnahme nicht - weder bei der Polizei noch vor Gericht.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte dem heute 31-Jährigen ursprünglich 91-fachen versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung in 90 Fällen und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. Am Donnerstag wurde das Verfahren in zwei Fällen eingestellt. Der Angeklagte muss sich nun in 88 Fällen für versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung, in einem Fall für versuchten Mord sowie für gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr verantworten.


Bildnachweis: © Uwe Zucchi/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
Jetzt noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen? Es ist nicht zu spät!
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Obwohl der offizielle Start des Ausbildungsjahres am 1. August liegt, ist es keineswegs zu spät, sich auch jetzt oder...

weiterlesen...
Drei Stunden Stau am Schweizer Gotthard-Tunnel
Aus aller Welt

Blechlawinen vor dem Gotthard-Tunnel, Proteste in Amsteg: Wie Urlauber und Anwohner unter dem Mega-Stau leiden – und welche Alternativen es gibt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

«Magisch» - Sonnenfinsternis begeistert Millionen in Spanien
Aus aller Welt

Jubel, Applaus und Verkehrschaos: Die totale Sonnenfinsternis ließ Spanien für kurze Zeit im Ausnahmezustand versinken.

weiterlesen...
Erdbeben in Kolumbien: Zahl der Toten auf 239 gestiegen
Aus aller Welt

Es ist das schwerste Beben in Kolumbien seit Jahrzehnten. Rettungskräfte suchen nach weiteren möglichen Opfern unter den Trümmern.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

«Magisch» - Sonnenfinsternis begeistert Millionen in Spanien
Aus aller Welt

Jubel, Applaus und Verkehrschaos: Die totale Sonnenfinsternis ließ Spanien für kurze Zeit im Ausnahmezustand versinken.

weiterlesen...
Erdbeben in Kolumbien: Zahl der Toten auf 239 gestiegen
Aus aller Welt

Es ist das schwerste Beben in Kolumbien seit Jahrzehnten. Rettungskräfte suchen nach weiteren möglichen Opfern unter den Trümmern.

weiterlesen...