Die Türkei hat einem von einem US-Unternehmen gecharterten LGBTQ-Kreuzfahrtschiff untersagt, kommende Woche in Aydin und Istanbul anzulegen. Die Behörden begründeten dies mit den «moralischen Werten» des Landes. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-Menschen sowie queere Menschen. Es komme «absolut nicht infrage», dass das Schiff «Scarlet Lady» im Hafen von Kuşadası anlege, erklärte das Gouverneursamt der westtürkischen Provinz Aydın in einer auf X veröffentlichten Mitteilung. Es sei von Gruppen gechartert, «die für Verhaltensweisen bekannt sind, die mit dem Gefüge unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten unvereinbar sind», hieß es. Provinzgouverneure werden in der Türkei direkt vom Büro des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ernannt. Nach Angaben des Gouverneursamts gilt die Entscheidung nur für den am 7. Juli geplanten Besuch des Schiffes. Anderer Kreuzfahrtverkehr sei davon nicht betroffen. Das türkische Tourismusministerium war am Samstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der US-Reiseveranstalter Atlantis Events bestätigte später, dass die türkischen Behörden dem gecharterten Schiff das Anlegen untersagt hätten. Man habe deshalb die Route geändert, teilte das Unternehmen auf seiner Website mit. Stattdessen werde das Schiff Kairo und die griechische Insel Kreta anlaufen. Vor der Reise hatten regierungsnahe türkische Medien und konservative Stimmen in sozialen Medien gegen den geplanten Besuch mobilgemacht und eine Absage gefordert. Nach der Absage lobten die regierungsnahe Zeitung «Star» und das Nachrichtenportal «A Haber» die Entscheidung mit diffamierenden Worten. Zudem schlossen die Behörden eine Bar in Istanbul, die regierungsnahe Medien als örtlichen Organisator der geplanten Veranstaltung bezeichnet hatten. Das Gouverneursamt von Istanbul erklärte, die Bar im Stadtteil Beyoğlu sei wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Vorschriften geschlossen worden. Der Präsident und Geschäftsführer von Atlantis Events, Rich Campbell, sagte dem Sender «CNN», seiner Firma sei noch nie wegen der Identität der Passagiere die Erlaubnis zum Anlegen verweigert worden. Es sei der erste derartige Vorfall in der 36-jährigen Unternehmensgeschichte. Die säkulare Verfassung der mehrheitlich muslimischen Türkei verbietet LGBTQ offiziell nicht. Die Regierung des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat ihre anti-LGBTQ-Rhetorik jedoch zuletzt verschärft. Pride-Week-Veranstaltungen und Pride-Märsche werden in der Türkei seit 2015 fast jedes Jahr verboten oder von der Polizei aufgelöst. Die Behörden verweisen dabei auf Sicherheitsbedenken und die öffentliche Ordnung.Konservative Stimmen bauen Druck in sozialen Medien auf
Auch eine Bar wird von Behörden geschlossen
«Der erste derartige Vorfall in der Unternehmensgeschichte»
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Türkei verweigert LGBTQ-Kreuzfahrtschiff das Anlegen
Ein Kreuzfahrtschiff mit lesbischen, schwulen und bisexuellen Passagieren an Bord darf in der Türkei nicht anlegen. Die Behörden begründen ihre Entscheidung mit «moralischen Werten».
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