Um die Wasserqualität in den Bädern des antiken Pompeji war es nach jüngsten Erkenntnissen nicht sonderlich gut bestellt - zumindest in der frühen Phase der Stadt. Bis kurz vor Christi Geburt stammte das Badewasser aus Brunnen, musste aufwendig mit Hilfe von Sklaven nach oben befördert werden und wurde darum vergleichsweise selten erneuert. Das besserte sich erst im späten 1. Jahrhundert vor Christus, wie ein Forschungsteam um Gül Sürmelihindi von der Universität Mainz im Fachjournal «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS») berichtet. Das Team analysierte Überreste des Wasserversorgungssystems der im 6. Jahrhundert vor Christus gegründeten Stadt bei Neapel, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 verschüttet und so im damaligen Zustand konserviert wurde. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf die Zusammensetzung von Ablagerungen an verschiedenen Stellen des Wassersystems. So rekonstruierten sie, wie sich Pompejis Wasserversorgung und -qualität im Laufe der Zeit änderten. Demnach gewannen die Menschen ihr Wasser zunächst aus bis zu 40 Meter tiefen Brunnen. Die Analyse von Kohlenstoffisotopen - also Kohlenstoffatomen mit unterschiedlicher Masse - in den Ablagerungen ergab, dass das Wasser in den um 130 vor Christus angelegten öffentlichen Badeanlagen der Stadt anfangs nicht den hohen Hygienestandards entsprach, wie man sie den Römern üblicherweise zuschreibt. Die Ablagerungen enthielten organische Verunreinigungen, erklärte Erstautorin Sürmelihindi - was auf eine Verschmutzung etwa durch Schweiß, Hauttalg und Urin hinweist. Vermutlich sei das Wasser nur etwa einmal täglich gewechselt worden. Verwunderlich sei das nicht. «Schließlich wurden die Bäder mit einer Wasserhebemaschine versorgt, die von Sklaven über eine Art Tretrad angetrieben wurde.» Erst später weist die Stadt der Analyse zufolge technologische Verbesserungen in der Wasserversorgung auf. Im späten ersten Jahrhundert vor Christus seien die Bäder wahrscheinlich an das Serino-Aquädukt angeschlossen worden. Dieses oberirdische, insgesamt 145 Kilometer lange Leitungsnetz machte viel mehr Wasser aus der Umgebung verfügbar und ermöglichte einen häufigeren Austausch in den Bädern. Und noch etwas konnten die Wissenschaftler der Uni zufolge aus den Karbonat-Ablagerungen herauslesen: Sie fanden eigentümliche zyklische, also kreisrunde Muster. Die führt der Mainzer Co-Autor Cees Passchier auf eine schwankende Menge an vulkanischem Kohlendioxid im Grundwasser zurück. Die könnte Folge einer Aktivität des Vesuv gewesen sein, lange bevor dessen Ausbruch die Stadt unter Asche begrub.Sklaven förderten Wasser per Tretrad und Hebemaschine
Oberirdische Wasserleitung machte mehr Wasser verfügbar
Bildnachweis: © dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Wellness in Pompeji: Baden in Schmuddelwasser
Wasser musste im frühen Pompeji mühsam geschöpft werden - entsprechend selten wurde es in Badeanstalten gewechselt. Erst eine Neuerung ließ es mit der Hygiene aufwärtsgehen.
Meistgelesene Artikel
- 14. Juli 2026
Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.
Das Verschwinden der Mutter von US-Moderatorin Savannah Guthrie sorgte in den USA Anfang des Jahres für großes Aufsehen. Nun berichten US-Medien über eine mutmaßliche Nachricht der Entführer.
- 30. Juni 2026
45-Jähriger in U-Haft - Trauer nach Tat in Stade
Ein Termin zum Sorgerecht für ein Baby endet tödlich. Sechs Menschen, die vermitteln und helfen wollten, sterben. Am Tag danach kommt der 45-Jährige in U-Haft.
Neueste Artikel
Wenn es ernst wird, vertrauen die Menschen ihrem Arzt, er wird schon richtig entscheiden. In Hannover steht ein Arzt als Mordverdächtiger vor Gericht. Seine Anwälte sagen: Er wollte Leiden lindern.
- 17. Juli 2026
Wie entsteht Hagel?
Wussten Sie, dass ein Hagelkorn innen wie eine Zwiebel aussieht? Wie groß war wohl das größte Hagelkorn, das je zur Erde fiel? Die Antworten finden Sie hier.
Weitere Artikel derselben Kategorie
Wenn es ernst wird, vertrauen die Menschen ihrem Arzt, er wird schon richtig entscheiden. In Hannover steht ein Arzt als Mordverdächtiger vor Gericht. Seine Anwälte sagen: Er wollte Leiden lindern.
- 17. Juli 2026
Wie entsteht Hagel?
Wussten Sie, dass ein Hagelkorn innen wie eine Zwiebel aussieht? Wie groß war wohl das größte Hagelkorn, das je zur Erde fiel? Die Antworten finden Sie hier.

