9. September 2025 / Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Handwerk trifft KI – Erster Hackathon der Kreishandwerkerschaft

Zwei Tage voller Ideen, Daten und Innovation: Beim ersten Hackathon der Kreishandwerkerschaft tüftelten fünf Betriebe...

Veröffentlicht am 9. September 2025 um 16:44 Uhr

In der Bibliothek des Campus Handwerk liegt konzentrierte Anspannung in der Luft. Das Klappern der Tastaturen mischt sich mit leisen Gesprächen, Köpfe sind über Laptops gebeugt – wir befinden uns im letzten Sprint des Hackathons. In einer halben Stunde sollen die eigenen Ergebnisse präsentiert werden. Referenten gehen von Tisch zu Tisch, geben letzte Tipps, stellen Fragen, spornen an. Hier verschmilzt Handwerk mit digitaler Innovation.

Teil der Initiative „Handwerk meets Neuland“

Der zweitägige Hackathon war die Auftaktveranstaltung der neuen Initiative „Handwerk meets Neuland“ der Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld. Ziel der Initiative ist es, Innungsbetriebe aus unterschiedlichen Bereichen an digitale Innovationen heranzuführen und diese praxisnah erfahrbar zu machen. Sie schlägt die Brücke in den derzeit entstehenden Neuland Campus Rietberg, an dem die Kreishandwerkerschaft als Teil der Betreibergesellschaft beteiligt ist. Der Hackathon war damit nicht nur ein spannendes Experimentierfeld für die Betriebe, sondern auch ein Vorgeschmack auf das, was künftig am Campus in Rietberg regelmäßig stattfinden soll.

Fünf Teams, fünf Ansätze

Fünf Unternehmen aus der Region zeigten, wie vielfältig KI im Handwerk eingesetzt werden kann. In Teams von bis zu fünf Personen nahmen sie an der Veranstaltung teil. Natürlich ging es dabei darum, etwas zu lernen. In erster Linie sollte am Ende jedoch ein konkretes Ergebnis stehen, ein lauffähiger KI-Prototyp. Dabei ließen die Ergebnisse sich durchaus sehen. Die Firma Brüggemann Gebäudetechnik aus Versmold nutzte ein frisch überarbeitetes Handbuch, um daraus für die Kollegen eine Wissensdatenbank zu machen, mit der man chatten kann. Das Bauunternehmen Hauphoff aus Verl suchte Wege für eine KI-gestützte Qualitätssicherung für die Mitarbeitenden vor Ort auf der Baustelle.

Für die Ferdinand Effertz Bedachungen Gerüstbau GmbH aus Rheda-Wiedenbrück ging es darum, die Verarbeitung von Leistungsverzeichnissen zu beschleunigen. Die Bäckerei Lamm GmbH aus Bielefeld testete einen Chatbot, der Mitarbeitenden Fragen zu betrieblichen Abläufen beantwortet – etwa zur Krankmeldung. Und die DAV Gebäudereinigung aus Bielefeld entwickelte einen KI-Bot, der beispielsweise Hinweise zur richtigen Reinigung unterschiedlicher Böden liefert. Verpackt in einer App könnte diese Anwendung schon bald den Mitarbeitenden zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Stefan Wittenberg von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin gab den Betrieben wertvolle Impulse und ordnete Chancen und Grenzen der aktuellen KI-Entwicklungen ein.

Datenqualität und Sensibilität

Im Verlauf des Hackathons wurde schnell klar: Die Qualität der Daten entscheidet über die Qualität der Ergebnisse. Wer gut strukturierte Informationen zur Verfügung stellt – wie Brüggemann mit seinem gepflegten Handbuch – kann in kurzer Zeit praxistaugliche Systeme aufbauen.

Gleichzeitig machten alle Teilnehmenden ähnliche Erfahrungen: Erste Berührungspunkte mit KI gibt es längst. Doch für den Umgang mit sensiblen Daten braucht es andere, sichere Ansätze. Und ebenso wichtig ist es, sicherzustellen, dass die Antworten der KI den betrieblichen Qualitätsmaßstäben entsprechen – Stichwort „halluzinierende KI“, also die Gefahr, dass Systeme falsche, aber plausibel klingende Ergebnisse liefern.

Für Felix Effertz war deshalb ein zweistufiger Ansatz sinnvoll: „Nicht sensible Daten lassen wir von der externen KI aufbereiten, mit dem Ergebnis geht es dann im geschützten Bereich weiter. Auf der sicheren internen KI-Umgebung können dann auch sensible Daten in den Prozess mit einfließen.“

Sieger, Preise und Ausblick

Nach zwei intensiven Tagen präsentierten die Teams ihre Ergebnisse und kürten untereinander den Sieger des Hackathons. Hier setzte sich das Team Effertz mit einer professionellen Präsentation und einem innovativen Ansatz durch. Alle teilnehmenden Betriebe erhielten den Digital Pionier Award der Kreishandwerkerschaft.

Dazu überreichte Michael Steinberg, Geschäftsführer des entstehenden Neuland Campus Rietberg, dem Siegerteam einen Gutschein für ein Seminar mit Fokus auf betriebliche Innovationen. Außerdem gab es für alle teilnehmenden Betriebe einen Gratistag im neuen Rietberger Co-Innovation-Center.

Appetitanreger für Rietberg

Für die Kreishandwerkerschaft war der Hackathon der gelungene Beweis, dass Handwerk und KI zusammenpassen – und dass die Innungsbetriebe bereit sind, Neues auszuprobieren. „Handwerk meets Neuland“ zeigt dabei den Weg: eine Brücke vom Handwerk in die digitale Welt des künftigen Neuland Campus Rietberg.

Die Nachfrage gibt der Initiative recht. Schon jetzt steht fest: In knapp zwei Monaten wird es einen zweiten Hackathon geben – und der ist bereits ausgebucht.

Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)
Bildnachweis / Bild: Maximilian Mühlenweg / Kreishandwerkerschaft

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