3. August 2022 / Aus aller Welt

Hitzewelle hat keinen Einfluss auf aktuelle Quallenmenge

So manchem Urlauber verderben sie den Badespaß: Kontakt mit Quallen in der Ostsee ist vielen Strandurlaubern unangenehm. Für ihre Vermehrung brauchen die Weichtiere einen Temperatur-Schock.

Quallen schwimmen in der Kieler Förde in der Ostsee.
Veröffentlicht am 3. August 2022 um 14:56 Uhr

Eine Hochsommer-Phase ist nach Expertenansicht kein Auslöser für eine akute Quallenplage in der Ostsee. Eine Sommerhitzewelle könnte zwar einen zusätzlichen Temperaturschock für die bestehenden, am Boden festsitzenden Polypen erzeugen und so neue Medusen ins Wasser bringen, sagte Jamileh Javidpour, Professorin der Syddansk Universität (Dänemark) der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe aber keinen direkten Einfluss auf das Auftreten von Quallenblüten. Die schwimmende Form der Nesseltiere müsse zunächst wachsen, um sichtbar zu werden, sagte Javidpour.

Nach Angaben der Meeresbiologin brauchen die Nesseltiere einen Temperaturschock, um Medusen zu produzieren, der jedes Jahr durch den Wechsel vom Winter in den Frühling eintrete. Die Medusen lassen sich mit der Strömung in andere Meeresbereiche treiben.

Nur früher, nicht stärker vermehrt

«Aufgrund eines milden Winters in diesem Jahr hatten wir für den Sommer mit einer höheren Quallenproduktion gerechnet», sagte Javidpour. Die Nesseltiere hätten sich wegen des milden Winters zwar etwas früher vermehrt - das gelte für Ohren- wie Feuerquallen. Das frühere Auftreten von Feuerquallen habe jedoch die Population der häufiger vorkommenden Ohrenquallen kontrolliert. «Die Menge an Quallen änderte sich also nicht wesentlich, wohl aber ihre Jahreszeit.»

Die meisten heimischen Quallenarten sind harmlos. Vorsicht sollte man nach Angaben von Javidpour nur bei der Feuerqualle walten lassen. Berührungen können eine allergische Reaktion auslösen. Betroffene sollten sich an Rettungsschwimmer der DLRG wenden und ihren Arzt kontaktieren.

Javidpour, die auch Gastwissenschaftlerin am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung ist, betreibt seit 18 Jahren ein Monitoring der Quallen-Population in der Kieler Förde. Zur Verbreitung und Nutzung von Quallen lässt die Europäische Union in dem Projekt «GoJelly» forschen, an dem neben der Universität von Süddänemark auch das Forschungsinstitut Geomar sowie die Kieler und die Hamburger Universität mitmachen. Über eine App meldeten Nutzer im vergangenen Jahr mehr als 600 Spots in der Ostsee. Das hilft Javidpour, das Prognosemodell zu verbessern.


Bildnachweis: © Marcus Brandt/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Wasser knapp: Münchner dürfen nicht mehr Rasen sprengen
Aus aller Welt

Ein trockenes Frühjahr und heiße Sommerwochen: Die Wasserversorgung in München kommt an ihre Grenzen. Wie die Stadt gegensteuert, und was das für Verbraucher bedeutet.

weiterlesen...
US-Medien: Schreiben behauptet Tod vermisster Nancy Guthrie
Aus aller Welt

Das Verschwinden der Mutter von US-Moderatorin Savannah Guthrie sorgte in den USA Anfang des Jahres für großes Aufsehen. Nun berichten US-Medien über eine mutmaßliche Nachricht der Entführer.

weiterlesen...
45-Jähriger in U-Haft - Trauer nach Tat in Stade
Aus aller Welt

Ein Termin zum Sorgerecht für ein Baby endet tödlich. Sechs Menschen, die vermitteln und helfen wollten, sterben. Am Tag danach kommt der 45-Jährige in U-Haft.

weiterlesen...

Neueste Artikel

 Aktion Radschlag - Verkehrskontrollen in Schloß Holte-Stukenbrock und Verl
Polizeimeldung

Gütersloh (ots) - Schloß Holte-Stukenbrock/ Verl (MK) - Am Mittwoch (15.07., 07.00 Uhr - 17.30 Uhr) fanden in Verl und...

weiterlesen...
Arzt vor Gericht: Wollte er Menschen töten - oder helfen?
Aus aller Welt

Wenn es ernst wird, vertrauen die Menschen ihrem Arzt, er wird schon richtig entscheiden. In Hannover steht ein Arzt als Mordverdächtiger vor Gericht. Seine Anwälte sagen: Er wollte Leiden lindern.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Arzt vor Gericht: Wollte er Menschen töten - oder helfen?
Aus aller Welt

Wenn es ernst wird, vertrauen die Menschen ihrem Arzt, er wird schon richtig entscheiden. In Hannover steht ein Arzt als Mordverdächtiger vor Gericht. Seine Anwälte sagen: Er wollte Leiden lindern.

weiterlesen...
Wie entsteht Hagel?
Aus aller Welt

Wussten Sie, dass ein Hagelkorn innen wie eine Zwiebel aussieht? Wie groß war wohl das größte Hagelkorn, das je zur Erde fiel? Die Antworten finden Sie hier.

weiterlesen...