3. Juli 2020 / Wissenswertes

Corona setzt der Wirtschaft im Kreis Gütersloh deutlich zu

IHK-Sonderkonjunkturumfrage 2020

IHK Konjunkturumfrage 2020

Die Geschäftslage in Industrie, Handel und bei Dienstleistungsunternehmen im Kreis Gütersloh ist erheblich eingebrochen. Auch die Erwartungen an die kommenden Monate sind mit großen Fragezeichen versehen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Sonder-Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). An der Umfrage von Mitte Mai bis Anfang Juni nahmen kreisweit insgesamt 347 Unternehmen (Industrie: 89; Handel: 125; Dienstleister: 133) mit 40.367 Beschäftigten (Industrie: 29.577; Handel: 4.837; Dienstleister: 5.954) teil. „Die Corona-Pandemie setzt der Wirtschaft im Kreis Gütersloh deutlich zu“, betont IHK-Vizepräsident Dr. Markus Miele.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die momentane Lage und die Zukunftserwartungen gleichermaßen berücksichtigt, ist für die Wirtschaft im Kreis von 113 Punkten im Frühjahr auf aktuell 52 Punkte regelrecht eingebrochen, in Ostwestfalen fiel der Index ebenfalls dramatisch von 109 auf 63 zurück.

Nur 13 Prozent der Industrieunternehmen im Kreis Gütersloh sprächen aktuell von einer guten, 42 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Im Vergleich zum Vorjahr seien seit Jahresbeginn die Umsätze bei nahezu zwei Dritteln der Industrieunternehmen um bis zu zehn Prozent zurückgegangen sowie bei 13 Prozent sogar zwischen 10 und 25 Prozent. Die Erwartungen an die Entwicklung der Geschäftslage bleibe auch deutlich negativ, denn nur drei Prozent gingen von einer besseren, aber 75 Prozent von einer schlechteren Geschäftslage aus. „Die Ertragserwartungen sind noch negativer, 85 Prozent rechnen mit weniger Gewinn“, erklärt Dr. Miele.
Zudem planten 57 Prozent einen Personalabbau.

Um der Krise zu begegnen, hätten laut IHK-Umfrage 78 Prozent der Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet, 75 Prozent setzten auf eine verstärkte Digitalisierung im Unternehmen und 57 Prozent stellten ihre Geschäfte auf andere Produkt- und Kundengruppen um. Mit einer Normalisierung der Geschäfte rechne mehr als die Hälfte der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes frühestens in einem halben Jahr.

„Die aktuelle Situation im Handel wird von den Unternehmen zwar etwas besser beurteilt als in der Industrie, ist aber auch negativ geprägt“, berichtet der IHK- Vizepräsident. Im Einzelhandel sprächen 36 Prozent von einer guten und 38 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Im Großhandel beurteilten 26 Prozent die Lage als gut und 32 Prozent als schlecht. Die Erwartungen an die kommenden Monate gingen zudem deutlich zurück. Bis Ende des Jahres rechnete fast jeder fünfte Händler mit einem Umsatzrückgang zwischen 10 Prozent und 25 Prozent, ein Viertel sogar mit einem Rückgang von 25 Prozent bis 50 Prozent. Darüber hinaus planten gut ein Viertel der Einzel- und gut ein Drittel der Großhändler einen Personalabbau. Rationalisierungen stünden bei den Händlern mit 38 Prozent an oberster Stelle bei betrieblichen Maßnahmen um der Krise zu begegnen.

Ebenfalls mehr als die Hälfte der Handelsunternehmen rechne frühestens in einem halben Jahr mit der Normalisierung der Geschäfte. Auch die Dienstleister sind laut IHK-Befragung pessimistisch: Lediglich 18 Prozent sprechen von einer guten, aber 28 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Auch in den kommenden Monaten erwarteten nur 15 Prozent der Dienstleister eine bessere Geschäftslage, allerdings 45 Prozent eine schlechtere. „Der Jobmotor Dienstleistung ist gebremst, denn auch wenn 68 Prozent ihr Beschäf- tigungsniveau halten wollen, planen 20 Prozent einen Personalabbau und nur 12 Prozent einen Aufbau“, erläutert Dr. Miele. Bis Ende des Jahres erwarte gut ein Viertel der Dienstleister einen Umsatzrückgang zwischen 10 Prozent und 25 Prozent, fast jeder zehnte sogar einen Rückgang von 25 bis 50 Prozent. Knapp die Hälfte der Dienstleistungsunternehmen rechne mit der Normalisierung der Geschäfte nicht vor einem halben Jahr.

Angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie würdigt der für den Kreis Gütersloh verantwortliche IHK-Vizepräsident die Maßnahmen der Politik. Mit dem Konjunkturpaket seien viele wichtige Impulse gesetzt worden. Die Beschlüsse würden vielen Betrieben in der schwierigen Lage helfen. Allerdings dauerten die Umsatzeinbrüche in vielen Branchen deutlich länger an als anfangs erwartet. Umso wichtiger sei es, sie jetzt mit Liquidität über die nächsten Monate zu bringen. „Verabschiedet hat das Kabinett zudem steuerliche Änderungen wie die Anhebung des Verlustrücktrags, die Senkung der Mehrwertsteuersätze und Anpassung der Vorauszahlungen sowie die degressive Abschreibung von Investitionsgütern. Leider sind diese Maßnahmen nur befristet“, erklärt Dr. Miele. Die Wirtschaft hoffe zumindest auf eine Verlängerung.

„Noch ganz erfreulich ist die statistische Rückschau für den Kreis Gütersloh, der als einziger Kreis in Ostwestfalen in den ersten vier Monaten dieses Jahres noch einen steigenden Industrieumsatz verbuchen konnte“, hebt IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden hervor. Der Gesamtumsatz in der Industrie ist dort seinen Worten nach von Januar bis April 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,7 Prozent gestiegen, und zwar von 6,4 Milliarden Euro auf 6,5 Milliarden Euro. Dabei sei der Auslandsumsatz sogar um 3,4 Prozent auf 2,8 Milliar- den Euro angewachsen, während der Inlandsumsatz um 1,1 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro gefallen sei.

Die Zahl der Beschäftigten habe leicht um 0,3 Prozent auf 62.836 Frauen und Männer abgenommen. Die Anzahl der Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten betrage im Kreis aktuell 219. Allerdings sei der Umsatzeinbruch im April deutlich zu erkennen gewesen. Die Umsätze sanken um 11,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

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