15. März 2024 / Aus aller Welt

Analyse von Videos: Hundeverhalten wird oft missverstanden

Ist es nicht süß, wie das Mädchen den Hund feste drückt? Das mag so wirken - doch Betrachtern niedlicher Fellnasen-Videos entgeht, wie unglücklich Vierbeiner in derlei Situationen mitunter sind.

Experten zufolge senden Hunde deutliche Signale - aber der Mensch missachtet sie auch.
Veröffentlicht am 15. März 2024 um 10:37 Uhr

Hundevideos sind beliebt in sozialen Medien. Doch vielfach fühlen sich die gezeigten Tiere keineswegs so wohl, wie viele Zuschauer, die eifrig Likes verteilen, offenbar annehmen, warnen Experten. Wie gestresst der Hund tatsächlich sei, werde besorgniserregend häufig gar nicht wahrgenommen - offensichtlich auch nicht von den Besitzern, was kritische Situationen zur Folge haben könne.

«Wir plädieren für eine verstärkte Aufklärung sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern in Bezug auf die Kommunikation mit Hunden», erläutert die Forschergruppe im Fachjournal «Applied Animal Behaviour Science».

Hunde verfügen über ein umfangreiches Repertoire an Körpersprache, Signalen und Lautäußerungen, um zu kommunizieren. Von vielen Menschen würden diese Hinweise aber oft missverstanden oder gar nicht erst bemerkt, heißt es weiter. In vielen der in sozialen Medien präsentierten Videos fühle sich der Hund sichtlich nicht wohl, dennoch äußerten Zuschauer ein «Gefällt mir» mit ihrem Like.

Unbehagen, Verwirrung und Angst

Das Team um Elizabeth Ann Walsh vom Cork Pet Behaviour Centre (Irland) hatte 190 besonders beliebte Videos mit vielen Likes auf Social-Media-Plattformen analysiert, die zeigen, wie mit Hunden gespielt oder diese gestreichelt und umarmt werden. Erfasst wurde, welche Zeichen für ihre Stimmung die Hunde dabei über ihr Verhalten geben.

Oft zeigen die Tiere demnach Unbehagen, Furcht, Verwirrung und Angst - was der mit ihnen agierende Mensch aber offensichtlich gar nicht wahrnahm, wie die Forschenden erläutern. Typische Stressindikatoren sind demnach unter anderem ein Abwenden des Kopfes, Blinzeln, Erstarren, Gähnen, Ablecken des Menschen, Zurücklegen der Ohren und Hecheln.

Keine Ahnung von Reaktionen der Hunde

Es sei besorgniserregend, wie Menschen mit ihren pelzigen Gefährten umgingen, ohne ihre Körpersprache oder Lautäußerungen zu verstehen. Ein typisches Beispiel in Videos sei das Umarmen und Festhalten, das für Hunde mitunter schwer zu deuten und zu verstehen sei: Wenn Hunde ihre Pfoten auf einen anderen Hund legen - analog zum menschlichen Umarmen - solle dies oft einschüchternd wirken.

Unterwürfig hingegen sei in vielen Fällen ein Lecken am Mund gemeint - und keineswegs immer ein Zeichen von Liebe und Zuneigung. Amüsant fänden Menschen oft, wenn ein Hund herzhaft gähnt, mit den Lefzen schmatzt oder den Kopf abwendet - was aber Signale für Unbehagen, Stress, Angst oder Nervosität sein könnten.

Oft bemerkten die im Video zu sehenden Menschen ebenso wie die Videobetrachter offensichtlich gar nicht, wie unglücklich oder unwohl sich ein Hund in der gezeigten Situation tatsächlich fühlt. Das bedeute nicht nur Leid für den Hund, sondern auch ein Risiko für dessen Besitzer, weil das Tier in einigen Fällen irgendwann aggressiv reagieren könne, wenn es sich etwa durch das Umarmen und Drücken zu sehr bedrängt fühle.


Bildnachweis: © Jens Büttner/dpa
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