27. Januar 2022 / Aus aller Welt

Schweinswale bei Munitionssprengungen oft tödlich verletzt

Sie sind Deutschlands einzige Walart. Durch Unterwasserexplosionen von Fliegerbomben sind Schweinswale stark bedroht. Und auch weiterhin wird es Sprengungen in Nord- und Ostsee geben.

Schweinswale erleiden durch die starken Druckwellen bei Explosionen teils tödliche Verletzungen.

Sprengungen im Meer sind einer neuen Untersuchung zufolge lebensgefährlich für Schweinswale.

Insgesamt 24 tote Schweinswale aus der Ostsee seien obduziert worden, in zehn Fällen habe sich gezeigt, dass die Tiere bei Unterwasserexplosionen verletzt worden seien, teilte die Tierärztliche Hochschule Hannover mit. Hintergrund seien Sprengungen von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gewesen.

Tiere erleiden schwere Verletzungen

Unterwassersprengungen könnten «schwere Auswirkungen auf Schweinswale haben», sagte die Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule, Ursula Siebert. Bei den zehn Tieren fanden die Experten krankhafte Auskugelungen und Frakturen der Mittelohrknochen, Blutungen im akustischen Fett des Unterkiefers und des Gehörapparates sowie der Melone, eines für die Echoortung wichtigen Organs. Derartige Verletzungen könnten nur durch starke Druckwellen wie etwa bei Explosionen hervorgerufen werden, hieß es.

Einer der Schweinswale habe zudem schwere Blutungen und Hämatome in der Muskel- und Fettschicht gehabt, was auf ein «stumpfes Explosionstrauma» hindeute. Ein anderer junger Schweinswal mit Explosionsverletzungen wurde beigefangen. Solche Verletzungen dürften die Orientierungsfähigkeit der Tiere erheblich vermindert haben. Siebert betonte: «Dies unterstreicht das hohe direkte und indirekte Schadenspotenzial der Sprengungen.»

Weitere Sprengungen werden folgen

Schweinswale sind Deutschlands einzige Walart - und stark gefährdet. Die 24 toten Tiere wurden den Angaben zufolge zwischen September und November 2019 an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins gefunden - einige Wochen, nachdem 42 britische Fliegerbomben ohne Schallschutz nahe des Schutzgebiets Fehmarn gesprengt wurden.

Die Menge der Munitionsaltlasten in der deutschen Nord- und Ostsee sei riesig. Auch für den Bau von Offshore-Windkraftanlagen werde gesprengt, daher müssten Schweinswale und andere Meerestiere besser geschützt werden, forderte Siebert. «Die Sprengungen sorgen außerdem dafür, dass die Tiere ihr Verhalten deutlich ändern und unter Stress stehen.» Detonationen lösten extreme Schallbelastungen aus, die für die meisten Tiere in der Nähe tödlich seien und auch in großer Entfernung erhebliche Schäden verursachen könnten.

Nach früheren Angaben wurden 2019 an der deutschen Ostseeküste mindestens 180 tote Schweinswale gefunden.


Bildnachweis: © Ingo Wagner/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Mann nach Tod von 21-Jähriger in Niebüll gefasst
Aus aller Welt

Eine junge Frau wird tot in einem Waldgebiet bei Niebüll gefunden. Nun haben Ermittler einen Tatverdächtigen gefasst. Der 35-Jährige stammt aus demselben Ort wie sein Opfer.

weiterlesen...
Autofahrer erfasst Joggerinnen-Gruppe - schwerer Unfall in Schloß Holte-Stukenbrock
Polizeimeldung

Verkehr Autofahrer erfasst Joggerinnen-Gruppe - schwerer Unfall in Schloß Holte-Stukenbrock Samstagvormittag (25.05.,...

weiterlesen...
Schüsse in Hagen: Zustand von verletzten Frauen stabil
Aus aller Welt

Schüsse an zwei Tatorten, vier Verletzte, eine 24-stündige Fahndung: Eine Gewalttat hält am Wochenende Hagen in Atem. Die Staatsanwaltschaft nennt nun nähere Details zu den Verletzten und zur Waffe.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Drei Vermisste nach Unwettern in der Schweiz
Aus aller Welt

Schwere Unwetter im Schweizer Kanton Graubünden im Südosten des Landes und Hochwasser im Wallis: Drei Menschen werden noch vermisst. Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes.

weiterlesen...
Rückkehr von Boeings «Starliner» zur Erde verschoben
Aus aller Welt

Vor gut zwei Wochen brachte das krisengeplagte Raumschiff zwei Nasa-Astronauten zur ISS. Eigentlich sollten sie mit dem «Starliner» bereits wieder zurück auf der Erde sein. Doch es gibt Probleme.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Drei Vermisste nach Unwettern in der Schweiz
Aus aller Welt

Schwere Unwetter im Schweizer Kanton Graubünden im Südosten des Landes und Hochwasser im Wallis: Drei Menschen werden noch vermisst. Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes.

weiterlesen...
Rückkehr von Boeings «Starliner» zur Erde verschoben
Aus aller Welt

Vor gut zwei Wochen brachte das krisengeplagte Raumschiff zwei Nasa-Astronauten zur ISS. Eigentlich sollten sie mit dem «Starliner» bereits wieder zurück auf der Erde sein. Doch es gibt Probleme.

weiterlesen...